All those ugly lies – Inhaltsverzeichnis

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Folge 26

 

Pure Venom – jetzt überall erhältlich

Pure Venom endgültig

Die Schlange hat ihr Gift, auch wenn sie unter den schönsten Blumen liegt. (Dänisches Sprichwort)

venom (engl.) – Gift, speziell: Schlangengift. Auch: Bosheit, Gehässigkeit

Stell dir vor, die Polizei klopft an deiner Tür, um dir mitzuteilen, dass sich ein extrem reicher Unternehmer umgebracht hat. Neben seiner Leiche wurde ein Abschiedsbrief gefunden, in dem er sich für alles entschuldigt, was er dir angetan hat. Deswegen macht er dich mit seinem letzten Willen zur Alleinerbin seines Imperiums.

Das einzige Problem: Dieser Mann hat dir niemals auch nur ein Haar gekrümmt – denn du hast ihn noch nie in deinem Leben gesehen …

DARK ROMANCE.
Ein Liebesroman. Düster. Nicht romantisch.
Eindeutige Szenen. Hart. Nicht zärtlich.
Keine dunklen Geheimnisse, sondern richtige Leichen im Keller.
Deutliche Sprache.
Happy End.
In sich abgeschlossen.

thalia

buecher.de

Weltbild

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Taschenbuch

Taschenbuch-Sammelband ISBN 978-3745026115

Men with knives – Sammelband

Der Sammelband „MEN WITH KNIVES“ ist ab sofort überall online und im Buchhandel zu bestellen.

Men with knives epubli.jpg
Er enthält „Sinister – Finsteres Begehren“ und „Soul on Ice“ auf 372 Seiten.
ISBN 978-3745076806

SINISTER – FINSTERES BEGEHREN

Er ist böse. Er ist düster. Er ist brutal.
Und ich kann nicht genug von ihm bekommen.
Meine Freundinnen wollten herausfinden, wer den neuen Typen im abgelegenen Haus am Ende der Straße verführen kann. Ich habe nur mitgemacht, um den Schein zu wahren, aber seine dunkle Anziehungskraft hat mich überwältigt. Deswegen habe ich in seinem Garten herumgeschnüffelt.

Das war ein Fehler.
Ein großer Fehler.
Der beste Fehler, den ich jemals gemacht habe.

SOUL ON ICE

Ein sadistischer Killer.
Eine Studentin mit dunklen Geheimnissen.
Eine Nacht, in der alles schiefläuft.Eigentlich dachte ich, es wäre eine gute Idee, eine Nacht lang Spaß zu haben – ohne Verpflichtungen. Wer rechnet schon damit, am nächsten Morgen im Bett eines eiskalten Berufskillers aufzuwachen? Aber es ist nicht so, als hätte ich nicht meine eigenen Geheimnisse …

Die eBooks sind einzeln in jedem Online-Shop erhältlich, die jeweiligen Taschenbücher exklusiv bei Amazon.

All those ugly lies – Teil 22

Palmer

Nach sechs Wochen hatte das Interesse an Sadies Fall merklich nachgelassen. Für den Geschmack der Medien war sie nicht länger interessant genug für die große Schlagzeile und rutschte Tag für Tag weiter auf der Titelseite nach unten, bis sie nur noch eine Randnotiz auf Seite 5 war.
Als es so weit war, hatte sie mich bereits weichgekocht. Im Haus fiel ihr die Decke auf den Kopf, weshalb ich nach einigem Zögern zustimmte, sie mit in den Supermarkt zu nehmen.
Es war ungewohnt, sie auf dem Beifahrersitz zu sehen, selbst wenn sie eine große Sonnenbrille und eine Cap trug, damit sie niemand erkannte.
»Vielleicht solltest du lieber auf die Straße gucken«, riet sie mir, ohne mich anzuschauen.
»Ich bin eben skeptisch, ob es die beste Idee ist, dich mitzunehmen.«
»Wirklich?«, fragte sie und drehte den Kopf zu mir. In gespielter Überraschung riss sie die Augen auf. »Das habe ich die ersten sechshundert Mal, die du es gesagt hast, gar nicht verstanden.«
Ich hüllte mich in Schweigen. So gern ich Sadie um mich hatte, so sehr war mir in den letzten Wochen aufgefallen, warum ich nie Beziehungen führte. Ich musste nur wenig mit ihr absprechen – doch selbst das war für meinen Geschmack schon zu viel.
Meine Gedanken wanderten zurück zu dem Gespräch, das ich mit Jack und Murphy geführt hatte. Vielleicht war etwas an ihrer Argumentation dran. Offensichtlich bevorzugte ich meine Frauen gerade klug genug für ein Gespräch und alles darüber hinaus war zu anstrengend. Sadie war smart und nicht auf den Mund gefallen. Einen Großteil der Zeit wollte ich sie am liebsten erwürgen, weil sie ständig Widerworte gab oder mir Fragen stellte, auf die ich entweder keine Antwort hatte oder keine geben wollte.
Gleichzeitig machte die Herausforderung sie nur noch interessanter für mich. Obwohl ich es Murphy gegenüber niemals zugegeben hätte, fühlte ich mich wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagte. Es war absolut aussichtslos, aber aufhören konnte ich nicht.
Da ich beharrlich schwieg, zuckte Sadie mit den Schultern und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Aussicht zu. »Ich hatte ganz vergessen, wie schön es hier manchmal sein kann.«
»Das ist die Zufahrt zum Industriegebiet.«
»Es ist trotzdem eine andere Aussicht als die ewig gleichen weißen Wänden in deinem Haus. Gott. Bei dir hängt nicht ein Bild.«
»Ich mag es eben ordentlich«, sagte ich und bog in die Zufahrt zum Supermarkt.
»Steril.«
»Clean«, hielt ich dagegen.
»Neurotisch.«
»Ruhig.« Genau diese Wortgefechte mit ihr genoss ich so, obwohl ich es eigentlich hasste, wenn man mir widersprach. Deshalb arbeitete ich am liebsten allein.
»Ruhig?«, wiederholte sie. »Du meinst wohl ›trist‹ oder ›trostlos‹. Wassergeplätscher oder ein knisterndes Feuer sind beruhigend. Deine Wände sind einfach nackt und ich kann es kaum erwarten, knallbunte Cornflakes-Packungen zu sehen.«
»Soll ich die Schlafzimmerdecke für dich streichen?«
Sie zwinkerte mir zu. »Kauf dir lieber bunte Bettwäsche. Ich knie öfter, als dass ich auf dem Rücken liege.« Damit stieg sie aus und ließ mich verblüfft sitzen.
Ich musste mich beeilen, um ihr mit einem Einkaufswagen zu folgen und sie einzuholen. Sie stand vor der Obstauslage. Trotz Sonnenbrille fiel sie nicht im Geringsten auf. Einer der Vorteile im ewig sonnigen Kalifornien.
Ich stellte mich dicht hinter sie und griff an ihr vorbei nach den Äpfeln. »Wenn ich dir öfter die Augen verbinde, schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Du fühlst dich gern hilflos und ich muss keine neue Bettwäsche besorgen.«
Es war schön mit anzusehen, wie sie erschauerte und ihr Atem für den Bruchteil einer Sekunde stockte. Sie drehte sich mit einer Schale Erdbeeren in der Hand um. »Klingt gut.«
Ganz entgegen meiner Gewohnheit musste ich gegen den Impuls ankämpfen, sie noch an Ort und Stelle zu küssen. Eigentlich gab es keinen Grund, es nicht zu tun, aber ich wollte nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig auf uns lenken. Es war ohnehin schon ein Risiko, dass ich ihr erlaubt hatte, vor die Tür zu geben.
Sadie stellte die Erdbeeren in den Einkaufswagen und schob ihn in den nächsten Gang. »Ich möchte übrigens festhalten, dass ich mich nicht grundsätzlich gern hilflos fühle. Das ist nur so ein Sex-Ding mit dir.«
»Sex-Ding? Gut zu wissen.« Ich hörte ihr gar nicht richtig zu, weil ich damit beschäftigt war, dem Schwung ihrer Hüften zu folgen, während sie vor mir lief. Irgendwie fiel es mir immer leichter, über die negativen Aspekte hinwegzusehen. Je weniger bekleidet Sadie war, desto leichter wurde es.
Wir waren bereits an der Fleischtheke, als mir auffiel, dass ich eigentlich noch mehr Obst hatte mitnehmen wollen, das ich für ein Rezept brauchte.
Als ich mit der Papaya wiederkam, stand der Wagen verwaist dort, wo ich ihn und Sadie zurückgelassen hatte. Ich sah mich um. Wohin wäre ich gegangen, wenn ich Sadie wäre?
Mein Blick blieb an dem Schild mit der Aufschrift »Wein« hängen. Ich ging in die Richtung und konnte Sadie bereits sehen, bevor ich selbst den Gang betreten hatte. Sie war in Gedanken versunken und hielt eine Flasche Rotwein vom Gut ihrer Eltern in der Hand. Da sie nach unten schaute und die Sonnenbrille trug, konnte ich ihren Gesichtsausdruck nicht deuten.
Vielleicht vermisste sie ihr Zuhause oder ihre Mutter. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie ihren Vater sonderlich vermisste, seit sie wusste, dass er zusammen mit Mathis ihren Tod geplant hatte. Noch während ich überlegte, ob ich ihr einen Moment Zeit lassen sollte, bog von der anderen Seite ein Mann in den Gang. Er wirkte wie der typische Silicon-Valley-Millionär, der viel zu viel Zeit und Geld darauf verschwendete, wie ein lässiger Surfer zu wirken.
Statt sich für einen Wein zu entscheiden, beäugte er Sadie. Nachdem er viel zu lange ihre nackten Beine angestarrt hatte, nahm er seinen Mut zusammen. »Hey, kann ich helfen? Du wirkst ein wenig verloren.«
Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu lachen. Großartiger Anmachspruch. Aber woher sollte der Kerl auch wissen, dass die Frau vor ihm mehr von Wein verstand, als das gesamte Supermarktpersonal und er zusammen.
Es würde sicherlich lustig werden, dabei zuzuhören, wie sie ihn zurechtwies. Sadie konnte eine regelrechte Furie sein, wenn sie wollte. Ich war bereit, das Schauspiel zu genießen, als sie mich mit ihrer Antwort vollkommen verwirrte.
»Das ist nett«, flötete sie. »Ich bin ein wenig verloren. Was passt wohl am besten zu Fisch?«
»Weißwein.« Er strahlte sie an.
Sadie biss sich auf die Unterlippe, stellte den Rotwein weg und nahm stattdessen eine Flasche Weißwein.
Damit bot sie dem Trottel die perfekte Vorlage, sich weiter aufzuspielen. »Was für ein Fisch wird es denn?«
»Ich dachte an Forelle.«
Es verwirrte mich, dass sie das Blaue vom Himmel log. Wir hatten nicht geplant, Fisch zu essen – ganz im Gegenteil, denn als ich es vorgeschlagen hatte, war Sadie angewidert gewesen.
Mit einem widerlichen Grinsen holte der Typ eine andere Flasche aus dem Regal. »Der hier ist perfekt.«
Sadie ließ ihre Wimpern flattern. »Danke. So eine Hilfsbereitschaft erlebt man ja selten.«
Er schien nur auf das Stichwort gewartet zu haben und kam näher. »Gern geschehen. Vielleicht kann ich beim Kochen helfen?«
Ich erwartete, dass Sadie ihm eine Abfuhr verpasste. Stattdessen beobachtete ich fassungslos, wie sie schüchtern lächelte und eine Haarsträhne um ihren Finger wickelte. »Wie könnte ich da ablehnen?«
Ich sparte mir den Rest und verschwand, während der Kerl sein Handy aus der Hosentasche holte, um Sadies Nummer einzuspeichern. Das musste ich mir nicht unbedingt ansehen. Außerdem war die Gefahr zu groß, dass ich ihn mitten im Weingang umbrachte. Ich konnte Sadie nicht predigen, dass wir keine Aufmerksamkeit erregen durften, nur um anschließend die Kehle eines Mannes mit einer abgebrochenen Weinflasche durchzuschneiden. Die Vorstellung war allerdings sehr verlockend.
Innerlich kochte ich vor Wut, als ich zum Wagen zurückkehrte. Vielleicht sollte ich Sadie einfach hier stehenlassen. Weißwein. So ein Bullshit. Ich wusste nicht einmal, warum ich mich überhaupt dermaßen aufregte. Mit einem kurzen Schnauben schüttelte ich den Kopf. Forelle. Wie beeindruckend, einen Weißwein zur Forelle zu empfehlen. Unglaublich. Ich hätte Sadie zu Hause lassen sollen. Am besten eingesperrt in der Zelle, damit ihr wieder einfiel, dass sie sich mir gegenüber ruhig etwas dankbarer zeigen konnte, statt mit dahergelaufenen Vollidioten zu flirten.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich zum Wagen zurückkehrte. In der Hand hatte sie den Rotwein, den sie zuerst ausgesucht hatte.
»Alles okay?« Sie runzelte die Stirn.
»Was soll denn nicht okay sein?« Ich hob eine Augenbraue. Dabei war ich in Wahrheit erstaunt, wie mühelos Sadie hinter meine Fassade sehen konnte.
»Ich frage nur. Kein Grund, gleich beleidigt zu sein. Haben wir alles?«
Statt einer Antwort begnügte ich mich mit einem knappen Nicken und schob den Wagen Richtung Kasse.
»Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?«, fragte sie, nachdem wir unseren Einkauf aufs Band gelegt hatten.
»Ja.«
Sie wirkte nicht überzeugt, sagte aber nichts mehr, bis wir am Auto waren. Wir luden alles in den Kofferraum und am liebsten hätte ich Sadie dazugelegt, um mich nicht mehr mit ihr auseinandersetzen zu müssen.
Sie brachte den leeren Wagen weg und ich parkte aus. Wenn ich jetzt fuhr, was ich das Problem im wahrsten Sinn des Wortes los. Doch dafür war selbst ich zu anständig, weshalb ich wartete, bis sie auf dem Beifahrersitz saß.
»Okay, Palmer, was ist los?«
»Keine Ahnung.«
»Wie lange willst du jetzt noch beleidigt spielen, ohne mir zu sagen, warum du eingeschnappt bist?«
»Ich bin nicht eingeschnappt.«
»Natürlich nicht.«
Ich fuhr vom Parkplatz und überlegte, wie lange ich wohl durchhalten musste, bis Sadie das Interesse an dem Gespräch verlor. »Warum sollte ich beleidigt sein?«
»Keine Ahnung. Deshalb frage ich ja. Ich habe schließlich nichts gemacht, aber deine Laune ist merklich schlechter geworden.«
»Vielleicht liegt es daran, dass du den passenden Weißwein zur Forelle nicht mitgebracht hast.« Ich wollte mir auf die Zunge beißen, weil ich meine Klappe nicht hatte halten können.
»Grundgütiger!« Sie rollte mit den Augen. »Deshalb bist du sauer?«
»Ich bin nicht sauer.« Vermutlich wäre meine Argumentation etwas glaubwürdiger gewesen, wenn ich in diesem Moment nicht viel zu schnell beschleunigt hätte, was dem Motor ein Aufheulen entlockte.
»Du bist einfach keine Frau.«
»Was soll das bitte heißen?«
»Weißt du, wie oft ich angeflirtet werde, wenn ich allein unterwegs bin? Von den Pfiffen und dummen Sprüchen von Bauarbeitern mal abgesehen?«
»Nein.«
»Oft«, erklärte sie. »Und der Typ war ein Paradebeispiel. Ich war mit Sicherheit heute schon die fünfte Frau, die er angesprochen hat. Sein Aftershave hat zehn Meilen gegen den Wind gestunken – das ist fast wie eine mathematische Gleichung: zu viel Aftershave bedeutet zu viel Ego. Ich habe brav seinen Wein-Ratschlag befolgt und eine falsche Nummer in seinem Handy eingespeichert. Er hatte bereit dreimal den Namen Susan im Telefonbuch. Ich bin jetzt die vierte und die Nummer führt ins Nichts.«
»Aha.«
Sadie seufzte. »Du verstehst es nicht. Das Ego des Typen ist gestreichelt und er hat zwanzig Sekunden danach bereits vergessen, dass er mich überhaupt getroffen hat. Wenn ich ihm den Unterschied zwischen einem guten Weißwein und dem Gebräu erklärt hätte, das er mir andrehen wollte, wäre sein Ego die nächsten zwei Wochen damit beschäftigt, die Schmach zu verarbeiten. Nachher zerbricht er sich den leeren Kopf so lange, bis ihm auffällt, dass die blöde Kuh vom Weinregal irgendwie Ähnlichkeit mit Sadie Eadric hat.«
Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich dazu sagen sollte, da ihre Argumentation so gesehen Sinn machte. Das wollte ich genauso wenig zugeben, wie ich Lust hatte, darüber zu reden, warum das Ganze mich überhaupt dermaßen aufgeregt hatte.
Es war ja nicht so, als wäre Sadie meine Freundin.
Mir wurde klar, dass ich das Lenkrad umklammerte, und zwang mich, den Griff zu lockern. Eigentlich hatte ich gedacht, die Faszination für Sadie würde schneller nachlassen. Stattdessen fühlte es sich an, als würde sie jeden Tag ein wenig stärker werden. Ich vertrieb den Gedanken. »Es spielt keine Rolle. Ich hätte ohnehin nicht zugelassen, dass du auf ein Date mit ihm gehst.«
»Bist du verrückt? Ich bin mit dir vollkommen ausgelastet.«
Ihre Worte besänftigten mich und ich legte eine Hand auf ihr Knie. »Das will ich auch hoffen.«
Sie warf mir einen Blick zu, der deutlich besagte, dass sie in meinem Verstand zweifelte.
»Also steht ihr gar nicht drauf, wenn euch Komplimente hinterhergerufen werden?«
»Ich ganz bestimmt nicht.« Sie legte ihre Hand auf meine. »Ich würde sagen, dass ich eher auf den starken, schweigsamen Typen stehe.«
»Bin ich ein starker, schweigsamer Typ?«
Sie grinste. »Na, an Murphy habe ich bestimmt nicht gedacht. Allerdings verstehe ich nicht so ganz, warum es dich auf einmal so brennend interessiert, worauf ich stehe. Ich dachte, unser Deal beinhaltet Sex und nicht mehr.«
»Darf ich deshalb nicht mehr neugierig sein?«
»Doch. Es kommt mir nur merkwürdig vor, dass du eifersüchtig bist.«
»Ich bin nicht eifersüchtig.«
Sadies Mundwinkel zuckten. »Dann ist ja alles in Ordnung.«
»Wenn ich sage, dass ich nicht eifersüchtig bin, stimmt das schon. Bisher war ich noch nie eifersüchtig. Warum sollte ich auch? Du bist mein Spielzeug und wohnst bei mir. Du hättest überhaupt keine Chance, dich mit dem Kerl zu treffen.«
»Ich könnte mir einfach ein Taxi rufen.«
»Und ich könnte dich einfach anketten.«
Sadie verschränkte die Arme. »Ich würde so schnell verschwinden, dass es für die Ketten längst zu spät wäre.«
»Von mir aus.« Ich zuckte mit den Achseln. »Trotzdem kannst du vor mir nicht flüchten. Ich würde dich überall finden.«
»Und?«
»Was ›und‹?«
»Ich will wissen, was du machen würdest, wenn du mich gefunden hast.« Sadies Lächeln war verdammt aufreizend geworden.
»Den Kerl töten, der es gewagt hat, dich anzufassen, bevor ich mir eine passende und schmerzhafte Strafe für dich überlege.«
»Fuck!« Sadie biss sich auf die Unterlippe und dieses Mal wirkte es sehr viel überzeugender als im Supermarkt. »Streiten wir noch oder ist das schon Vorspiel?« Das Schnurren in ihrer Stimme bescherte mir beinahe eine Latte.
»Du glaubst hoffentlich nicht, dass ich dich für dein Verhalten belohnen werde.«
Sadie streckte ihre Hand aus und legte sie genau in meinen Schritt. »Aber es törnt mich an, wenn du solche Sachen sagst.«
Ich musste mich beherrschen, um nicht zufrieden zu grinsen. »Auf gar keinen Fall.«
»Und wenn ich ganz lieb Bitte sage?«
Mein Schwanz zuckte. »Das muss ein ganz besonders überzeugendes ›Bitte« sein.«
»Ich glaube, das bekomme ich hin.«

All Those Ugly Lies – Teil 21

Sadie

Ich nahm das Brett und benutzte das Messer, um das geschnittene Fleisch in die Pfanne zu schieben. Es prickelte in meinem Nacken. Sofort wusste ich, dass Palmer da war.
Aufgrund der Geräusche in der Küche hatte ich ihn nicht kommen hören, doch das änderte nichts daran, dass ich auf merkwürdige Weise dazu in der Lage war, seine Anwesenheit zu spüren.
Als ich mich umdrehte, lehnte er mit verschränkten Armen am Türrahmen und lächelte mich an.
»Ich glaube, daran könnte ich mich gewöhnen.«
»Man sollte meinen, drei Wochen sind lang genug, damit du dich an dein Dienstmädchen gewöhnt hast«, erwiderte ich.
Er lachte und kam näher. »Niemand zwingt dich, zu kochen.«
»Irgendeine Beschäftigung brauche ich, wenn ich schon nicht vor die Tür kann.«
»An Beschäftigungsmöglichkeiten besteht kein Mangel.« Palmer trat hinter mir und schaltete den Herd ab.
Ich wollte protestieren, doch seine Lippen fühlten sich so gut in meinem Nacken an, dass ich vergaß, was ich hatte sagen wollen.
Inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt, bei Palmer zu sein, obwohl es nach wie vor ungewohnt war, nicht vor die Tür zu gehen. Doch zum ersten Mal seit einer langen Zeit fühlte ich mich erleichtert. Ich musste nicht länger schauspielern oder etwas vortäuschen, das gar nicht existierte. Wie lange hatte ich damit zugebracht, eine Beziehung zu führen, die eigentlich keine war? Ich hatte Mathis nicht geliebt. Es war nur in einem Moment die richtige, rationale Entscheidung gewesen: nett und attraktiv, meine Eltern hatten ihn gemocht und wir teilten die Leidenschaft für Wein. Es erschien mir damals das Richtige zu sein, seinen Heiratsantrag anzunehmen, weil man das eben so machte.
Dabei hatte es mich innerlich jeden Tag ein bisschen mehr getötet.
Palmer war das genaue Gegenteil von Mathis. Er versuchte gar nicht erst, mich für sich zu gewinnen, und gab nicht einmal vor, sich für Wein zu interessieren. Trotzdem hatte ich mit ihm in den letzten Tagen mehr interessante Gespräche geführt als ich es je mit Mathis getan hatte.
Palmer war in der Lage, mir meinen Seelenfrieden zurückzugeben, obwohl mich sein Beruf und sein Verhalten eher in Panik hätten versetzen sollen.
Ich hatte keine Zeit mehr, darüber länger nachzudenken. Palmer packte meine Schulter und drehte mich zu sich um, bevor er mein Gesicht mit beiden Händen umfasste. Seine Lippen berührten meine, er schob seine Zunge in meinen Mund und nahm sich, was er wollte.
Palmer zögerte nie. Er hinterfragte nicht, was er tat, und er lieferte keine Rechtfertigungen oder gar Entschuldigungen. Er nahm und nahm und nahm.
Für mich war das in Ordnung, denn ich hatte mir lang genug den Kopf darüber zerbrochen, was ich wollte, und was richtig oder falsch war. Palmer ließ mir keine Wahl und darüber war ich sehr froh.
Er zog mich näher an sich, ließ mich die Härte seiner Erektion spüren. Mein Unterleib reagierte mit einem sehnsüchtigen Ziehen, während der Kuss meine Sinne benebelte. Mathis war kein solch guter Küsser gewesen.
Palmer ließ mein Gesicht los und schlang die Arme um mich, damit er mich noch fester an sich pressen konnte. Dabei unterbrach er nicht einmal den Kontakt zu meinen Lippen. Er war so fordernd und besitzergreifend – und es gefiel mir.
Seine Finger flochten sich in mein Haar, er zwang meinen Kopf nach hinten. Der Zug an meiner Kopfhaut sandte ein aufregendes Prickeln durch meinen Körper, die bittersüße Mischung aus Schmerz und purer Lust.
Ich wimmerte an seinen Mund und rieb gleichzeitig mein Becken an ihm.
Bei Mathis hatte ich immer raten müssen, was er eigentlich wollte, da er es nie klar kommuniziert hatte. Es war unglaublich anstrengend gewesen, alles hinterfragen zu müssen, weil ich nie gewusst hatte, ob er mir bloß einen Gefallen hatte tun wollen oder hinter seiner Handlung stand.
Mit Palmer war mir in diesem Moment zu 99 Prozent klar, dass er Sex wollte. Das fehlende Prozent basierte auf Palmers sadistischer Ader. Ihm war zuzutrauen, mich erst heiß zu machen und dann fallen zu lassen.
Dafür wusste ich aber, dass er mir einhundertprozentig wehtun würde, sollten wir Sex haben – und ich würde voll auf meine Kosten kommen.
Palmer löste sich von mir und zog ein schwarzes Tuch aus der Tasche seiner Jeans. Sofort beschleunigte sich mein Herzschlag. Ehe ich auch nur die Gelegenheit hatte, nach dem passenden Protest zu suchen, legte Palmer mir die Augenmaske an.
Die Küche verschwand hinter absoluter Finsternis. Der schwere Stoff ließ nicht einen Funken Licht durch.
Dafür wurden meine anderen Sinne geschärft. Ich spürte Palmers Anziehungskraft wie einen Magneten. Seine Nähe löste ein elektrisierendes Kribbeln auf meiner Haut aus. Ich konnte seinen Duft riechen und die Hitze seines Körpers fühlen.
Er zeichnete meine Kurven nach, bevor er begann, mich auszuziehen. Ich biss mir auf die Unterlippe und wartete geduldig, bis er etwas sagte. Die Spielregeln waren mir oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, weshalb ich gelernt hatte, mich lieber zu gedulden, statt Palmer einen weiteren Grund zu bieten, mich zu bestrafen.
In der kühlen Luft der Küche wurden meine Nippel sofort hart. Ich musste mich auf Palmers starken Schultern abstützen, als er vor mir in die Knie ging, um mir das Höschen auszuziehen, das ich unter dem dünnen Sommerkleid getragen hatte.
Er richtete sich wieder auf und streichelte meine Brüste. Federleicht glitten seine Finger darüber, umkreisten die Nippel, ehe er die Hände um meine Titten legte und sie wog und knetete.
Nach einer Weile setzte er die Erkundung fort, fuhr über den Bauch nach unten, bevor er einen Finger in meine Pussy gleiten ließ.
Für einen kurzen Moment wurden meine Knie weich. Mir war klar, dass ich nach wie vor in der Küche stand, doch ich war so berauscht – genauso gut hätte ich auf einem anderen Planeten sein können. Zumindest fühlte es sich himmlisch an.
Der Hieb auf meinen Po kam unerwartet und ließ mich nach Luft schnappen, was Palmer ein leises Lachen entlockte. Ich ballte die Fäuste, wappnete mich für den nächsten Schlag, der allerdings nicht kam. So leicht würde Palmer es mir nicht machen.
Stattdessen nahm er meine Handgelenke. »Hände hinter den Rücken«, befahl er. »Und lass sie dort.«
Die Warnung war nicht zu überhören. Mein Magen machte einen Satz. Palmer nutzte die Sekunde, in der mein Gehirn mit seinem Befehl beschäftigt war, um einen weiteren Schlag auf meinem empfindlichen Hinterteil zu landen. Er hatte gewartet, bis mein Schutzschild verschwunden und ich nicht länger gewappnet war. Es brannte wie Feuer.
Palmer kratzte über die erhitzte Stelle. Ich stellte mir vor, dass vermutlich ein roter Handabdruck dort prangte, den er gerade mit seinen Nägeln malträtierte.
Als er endlich von mir abließ, zitterte ich vor unerfüllter Begierde. Palmer legte die Hand auf meinen unteren Rücken und drängte mich vorwärts. Ich hatte eine Ahnung, dass er mich zum Küchentisch dirigierte. Dabei raschelte es verdächtig. Kleidung fiel zu Boden. Sofort klopfte mein Herz schneller. Palmer zog sich aus, was bedeutete, dass er mich wirklich vögeln würde. Besonders auf das Klappern seiner Gürtelschnalle reagierte ich, meine Pussy wurde feuchter.
Ohne Vorwarnung packte er meine Hüften und setzte mich auf die Tischplatte. Unsicher, was er vorhatte, verharrte ich regungslos. Palmer schob meine Oberschenkel auseinander, streichelte die Innenseiten und glitt dabei immer höher.
»Magst du es, wenn ich dich anfasse, Sadie?«, wollte er wissen und drückte den Daumen gegen meine Klit.
Bunte Funken zerstoben hinter meinen geschlossenen Lidern, ich wimmerte.
»Ja oder nein? Ich will eine Antwort.« Er garnierte seine Forderung mit einem Schlag auf meinen Schenkel.
»Ja.«
»Besser«, lobte er und ließ den Daumen erneut über meine empfindlichste Stelle kreisen. »Ich mag es zufällig auch, wenn du mich anfasst. Willst du mich anfassen, Sadie? Willst du meinen Schwanz berühren?«
»Ja.« Dieses Mal zögerte ich nicht.
»Dann tu es.«
Ich streckte den Arm aus, bis ich warme Haut und feste Muskeln spürte. Mit der Fingerspitze zeichnete ich seine Bauchmuskeln nach, fuhr immer weiter nach unten, bis ich die Hand um seinen Schaft schloss. Palmer zog scharf Luft ein, als ich zudrückte.
Ich massierte seine Länge, konnte den feuchten Tropfen auf der Kuppe fühlen und verteilte ihn mit dem Daumen.
Er ließ mich nicht besonders lang gewähren, ehe er meinen Oberkörper nach hinten drückte und meine Schenkel weiter spreizte. Mit einem Stoß versenkte er sich bis zum Anschlag in mir.
»Oh fuck«, keuchte ich.
Palmer bewegte sich sofort langsamer, um mich zu quälen. »Das magst du, nicht wahr? Wenn ich dich mit meinem harten Schwanz ausfülle?«
»Jajajajajajaja …« Ich drückte den Rücken durch, presste mich ihm entgegen und bettelte ohne Worte um mehr.
Seine Hand legte sich um meine Kehle, während er mich härter fickte. Dann spürte ich seine Lippen am Ansatz meiner Brüste und wappnete mich. Obwohl ich instinktiv geahnt hatte, dass er mich beißen würde, schoss der Schmerz wie eine Explosion durch meinen Körper. Eine Explosion, die direkt in meine Klit fuhr.
Der Orgasmus baute sich rasend schnell auf, raubte mir beinahe den Verstand. Palmer leckte über den Abdruck seiner Zähne und hielt mich mit der Hand an meinem Hals unten. Ich zuckte, wollte mich aufbäumen und begann, unkontrolliert zu zittern.
»Genau so, Baby«, flüsterte Palmer und legte noch einmal an Tempo zu.
Haut schlug gegen Haut, der Tisch bebte unter der Intensität unserer Bewegungen, das Holz scheuerte an meinem Rücken.
»Nicht aufhören«, flehte ich. »Nicht aufhören.« Meine Hände ballten sich zu Fäusten, meine Zehen krümmten sich.
Als ich kam, bedeckte Palmer meinen Mund mit seinem und raubte mir das letzte bisschen Atem.
Meine Pussy krampfte rhythmisch und zog sich eng um Palmers Schwanz zusammen. Er stieß ein animalisches Knurren an meinen Lippen aus, während ich spürte, wie er in mir zuckte und sein Sperma tief in mich pumpte.
Ich war gerade erst wieder auf der Erde gelandet, als Palmer sich aus mir zurückzog. Ein zufriedenes Lächeln umspielte meine Mundwinkel, weil ich mir dachte, dass Palmer nicht der Einzige war, der sich an unser Zusammenleben gewöhnen konnte. Ich wollte die Hand heben, um die Maske zu lösen.
Sein eisenharter Griff an meinem Handgelenk kam unerwartet. Ich schluckte.
»Habe ich gesagt, dass du dich bewegen darfst? Habe ich dir signalisiert, dass ich fertig bin mit dir?«
Meine Stimme versagte beinahe. »Nein.«
»Dann leg dich lieber wieder hin und spreiz deine Beine für mich, mein kleines Spielzeug …«

All Those Ugly Lies – Teil 20

Palmer

Meine Laune brach schlagartig ein, als ich Murphys Auto in der Einfahrt sah. Ich parkte neben ihm, stieg aus und wollte ihn fragen, ob er nichts Besseres zu tun hatte. Warum wartete er, bis ich nach Hause kam?
Mir wurde schlagartig flau im Magen. Murphy saß nicht in seinem Wagen. Da er wohl kaum einen kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft machte, bedeutete es, dass er drinnen war.
Bei Sadie.
Ich rannte förmlich zur Haustür und bekam den Schlüssel erst im zweiten Versuch ins Schloss. Die Muskeln in meinem Nacken zogen sich auf unangenehme Weise zusammen, als ich das Haus betrat.
Im Foyer lagen Glassplitter. Der Grund versetzte mir einen Stich: Meine Skulptur stand nicht länger auf dem Sockel. Erstaunlicherweise ließ es mich allerdings kalt, weil ich mir wesentlich größere Sorgen um Sadie machte.
Sämtliche Türen waren geöffnet – sowohl die zur Küche und zum Wohnzimmer als auch die zum Operationssaal und dem Raum dahinter, in dem der Ofen stand. Was zum Teufel war hier passiert?
Ich folgte der kleinen Spur aus Blut in die Küche. Sadie saß mit dem Rücken zu mir und fuhr zusammen, als meine Stimme ertönte. Murphy hatte einen der Stühle herumgedreht, sodass er in meine Richtung sah, während er mit einem Wattebausch an Sadies Hand herumtupfte. »Reg dich nicht auf, Palmer. Es ist nichts passiert.«
Erleichterung durchflutete mich, da Murphy und Sadie noch am Leben waren. Zwei Sekunden lang gönnte ich mir das Gefühl, bevor es durch Wut vertrieben wurde.
»Was zum Teufel geht hier vor sich?«, grollte ich.
Sadie blickte über ihre Schulter und biss sich auf die Unterlippe. Sie hätte kaum schuldbewusster aussehen können.
»Ich will trotzdem wissen, was passiert ist.« Um mich zu beruhigen zählte ich langsam bis fünf, ehe ich mich den beiden näherte.
Murphy seufzte. »Es ist meine Schuld, okay? Ich habe sie erschreckt.«
»Das stimmt nicht«, protestierte Sadie. »Es war meine Schuld.«
Je länger ich meine hübsche Gefangene musterte, desto mehr rötete sich ihr Gesicht. Sprachen die beiden von der zerstörten Skulptur oder war noch etwas anderes vorgefallen?
Sadie war verführerisch und Murphy hatte keinerlei Selbstbeherrschung, wenn es um Frauen ging. Ich brach den Gedankengang ab, bevor ich die Beherrschung verlor. Wenn Murphy es gewagt hatte, Sadie anzufassen, würde ich ihn ohne Umwege in den Ofen verfrachten – und zwar ohne ihn vorher zu töten.
»Ich wollte nur einen neuen Auftrag vorbeibringen.«
»Schon wieder?« Ich runzelte die Stirn, weil ich ihm kein Wort glaubte.
»Du weißt, dass die Methoden unserer Arbeitgeber keiner Logik folgen.«
»Aha«, machte ich und verschränkte die Arme. »Und wo ist der Auftrag jetzt? Hat er sich zufällig in Luft aufgelöst?«
»Er liegt auf deinem Operationstisch. Wir haben ihn hereingeholt, solange er noch bewusstlos war. Aber dann wollte ich mich erst um Sadies Wunden kümmern.«
Die Wut kroch wie ein roter Nebel in mein Sichtfeld und sorgte dafür, dass ich kaum klar denken konnte. »Kommen wir zum nächsten Punkt: Warum ist sie verletzt?«
Sadie räusperte sich. »Du hast die Tür nicht abgeschlossen.«
»Was?« Ich starrte sie an.
»Die Zellentür. Du hast sie nicht abgeschlossen. Deshalb bin ich nach oben gegangen.«
»Du wolltest fliehen?« Der Gedanke tat mir in der Seele weh. Dabei hatte ich geglaubt, dieses … Ding, das sich meine Seele nannte, wäre bereits vor Jahren eingegangen.
»Nein. Ich dachte, du wärst nach Hause gekommen und habe die Tür aufgemacht. Als ich erkannt habe, dass es Murphy ist, bin ich in Panik geraten und habe die Statue umgestoßen.«
»Das stimmt nicht ganz. Sie wollte von mir davonlaufen, aber ich habe sie erwischt und wir sind gestürzt. Dabei ist die Statue umgefallen. Bei dem Versuch aufzustehen, hat Sadie sich an den Scherben geschnitten.«
Ich musterte die beiden, während ich überlegte, ob ich ihnen glauben sollte, oder nicht. Es gab einen ziemlich leichten Weg, die Story zu überprüfen. Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und ging in den Operationssaal.
Zumindest in Bezug auf diesen Punkt hatte Murphy nicht gelogen. Ein Mann lag gefesselt auf der Bahre. Als er mich sah, begann er, an den Fesseln zu zerren und in den Knebel zu nuscheln, da er mich offensichtlich für seinen Retter hielt.
Schritte ertönten hinter mir. Ich drehte mich zu den beiden um.
»Bist du sauer?«, wollte Sadie wissen.
»Weswegen genau? Du musst das ein wenig eingrenzen. Ich habe zu viel Auswahl«, presste ich zwischen den Zähnen hervor.
»Es tut mir so leid. Die Statue …«
Ich unterbrach sie mit einer ruppigen Handbewegung. »Vergiss die Statue. Darum geht es nicht. Du solltest in der verdammten Zelle bleiben – damit dich niemand sieht.«
»Murphy hat gesagt, dass du ihm ohnehin schon von mir erzählt hat«, protestierte sie.
»Ach ja? Was hat er dir denn noch alles erzählt?«
Murphy hob beide Hände. »Reg dich nicht auf, Kumpel. Es ist nichts passiert. Ich habe sie nicht angerührt. Es gibt keinen Grund, eifersüchtig zu sein.«
Für einen kurzen Moment ließ ich den Nacken kreisen. Es knackte so laut, dass Sadie zusammenfuhr. Ich schüttelte den Kopf. »Eifersüchtig?«, wiederholte ich. »Eifersüchtig? Ich bin nicht eifersüchtig. Angepisst trifft es eher. Wie oft muss ich Sachen sagen, damit sie in deinen Dickschädel gehen? Und du …« Ich drehte mich zu Sadie. »Warum hilfst du ihm auch noch? Du hattest keine Ahnung, wer er ist.«
»Ich habe ihn nach dem Buch gefragt.«
Ich massierte meine Nasenwurzel mit zwei Fingern. »Buch? Welches Buch?«
Sadie verlagerte ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. »Du hast gesagt, dass Twilight das Geschenk eines Freundes war. Nichts für ungut, aber du bist nicht gerade der Typ für viele Freunde. Deshalb habe ich Murphy gefragt, ob er dir ein Buch geschenkt hat. Du kannst mir trauen, Palmer, ich bin nicht blöd.«
Murphy betrachtete Sadie verliebt. Dabei fehlten nur noch die Herzen in seinen Augen. »Sie ist so clever. Hübsch und clever.«
»Ja, und sie gehört mir«, knurrte ich. »Sie ist mein hübsches und cleveres Spielzeug.«
»Ich wollte nur den Typen vorbeibringen.«
»Klar. Es ist sehr umsichtig von dir, dass er jetzt Sadies Gesicht auch noch kennt. Was wäre, wenn ihr ihn nicht richtig gefesselt hättet und er abgehauen wäre?«
»Das war meine Idee«, sagte Sadie. »Du brauchst doch den Finger für die Statue. Murphy hat es mir erklärt.«
»Murphy hat es dir erklärt.« Die Fassungslosigkeit schwang in meiner Stimme mit. »Na dann ist ja alles in Ordnung. In bester Ordnung.«
Sadie und Murphy tauschten einen Blick miteinander, was mich nur wütender werden ließ. Sie wirkten wie ein verschworenes Team – und als wäre ich das Problem.
»Beruhig dich, Palmer.« Murphy redete mit mir wie mit einem tollwütigen Tier. »Sadie hat nichts gemacht. Es war alles meine Idee. Der Typ stellt keine Bedrohung da und …«
»Darum geht es nicht. Ich hatte Nein gesagt. Laut, deutlich und mehr als einmal!« Mir war klar, dass ich inzwischen brüllte, aber anders schien Murphy mich nicht zu verstehen. Es war typisch für ihn, Sadie in Schutz nehmen zu wollen. Dabei hatte ich ihr gar nichts unterstellt. Mit einem eisigen Blick schnitt ich ihm das Wort ab. »Es reicht.«
Murphys Mund klappte zu. In diesem Moment wurde uns ziemlich offensichtlich klar, dass wir beide keinen Gedanken mehr an Sadie verschwendet hatten. Gleichzeitig fuhren wir herum. Murphy schnappte nach Luft, ich hingegen schaffte es wie durch ein Wunder, nicht eine Miene zu verziehen.
Sadie hatte sich ein Skalpell genommen und die Unterarme des gefesselten Mannes aufgeschlitzt. Das Blut hatte bereits eine große Pfütze unter der Metallbahre gebildet, sickerte stetig weiter aus den Wunden. Lange würde der Kerl nicht mehr leben. Sie wischte sich mit der Hand durchs Gesicht und hinterließ dabei einen verschmierten Blutfleck auf ihrer Wange. »Wie oft muss ich sagen, dass du mir vertrauen kannst, Palmer?«
Murphy blinzelte langsam. »Sie …«
»Ja«, bestätigte ich mit einem Nicken.
Verwirrt deutete er auf das Skalpell. »Und dann …«
Ich sagte erneut: »Ja.«
»Aber …« Er brach ab und seufzte schwer. »Sie …«
»Ich weiß. Es ist nicht leicht zu verdauen.« Ich tätschelte seine Schulter, obwohl ich noch immer einen Hauch Wut verspürte. »Möchtest du einen Drink?«
»Vielleicht habe ich mich getäuscht.« Murphy fuhr zusammen, als Sadie das Skalpell auf die Arbeitsplatte fallenließ, bevor er sich an mich wandte. »Ist sie gefährlich?«
Sadie schnaubte. »Sie kann dich hören und ist ganz sicher nicht gefährlich. Ich meine, ich nehme an, dass ich nicht gefährlich bin. Bisher habe ich noch nie zwei Menschen in der gleichen Woche getötet, deshalb kann ich nicht abschätzen, wie diese spezielle Statistik sich weiterentwickeln wird.«
Ich grinste, zumindest bis Murphy beide Hände auf seine Brust presste und verkündete: »Humor hat sie auch noch. Ich glaube, ich bin verliebt!«
Sadie hob eine Augenbraue. »Das Schlimmste ist, dass ich nicht einmal unter vorgehaltener Waffe sagen könnte, wer hier der Verrückteste im Raum ist.«
Ich stieß Palmer den Ellenbogen in die Seite. »Sadie gehört mir. Du hast die Ohrfeigengeberin, die dich hasst.«
Sofort verblasste sein Lächeln. »Es ist nicht sonderlich nett, mich daran zu erinnern.«
»Dann steht es wohl unentschieden. Es ist auch nicht sonderlich nett, hier aufzutauchen und Sadie nachzustellen, obwohl ich es dir explizit verboten habe.«
»Ich habe ihr nicht nachgestellt.« Er rümpfte die Nase. »Ich habe geklingelt und sie hat mir aufgemacht.«
»Ich habe die Tür bloß geöffnet, weil ich dachte, du wärst Palmer!« Sadie verschränkte die Arme. »Sonst hätte ich bestimmt nicht aufgemacht.«
»Autsch.« Murphy verzog das Gesicht.
Ich presste meine Finger an die Schläfen, weil ich die ersten Anzeichen einer Migräneattacke spürte. Die Spannung kroch langsam meinen Nacken in Richtung Schädel hoch. »Murphy, wenn du jetzt bitte gehen würdest. Ich muss mit Sadie reden.«
»Was ist mit der Skulptur? Brauchst du Hilfe dabei, sie wieder zusammenzukleben? Wir bekommen sie mit Sicherheit wieder hin.«
»Nein. Ich werde sie mit der nächsten Leiche zusammen verbrennen. Es ist ohnehin dumm genug, so viel belastendes Material herumstehen zu haben.«
Er kratzte sich hinterm Ohr. »Bist du sicher?«
Das Pochen in meinen Schläfen nahm mit rasender Geschwindigkeit zu. »Ganz sicher.«
»Soll ich Sadie mitnehmen, damit du dich ein bisschen erholen kannst? Du siehst ziemlich fertig aus.«Ich musste nur einen Schritt in seine Richtung machen, bis er lachend ins Foyer flüchtete.
»Bye, Sadie«, rief er. »Denk später an die Zähne für mich, Palmer.«
Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, sanken Sadies Schultern. Sie verbarg das Gesicht in den Händen und hinterließ neue Blutflecken auf ihrer Haut.
»Es tut mir so leid, Palmer. Wirklich. Ich bin einfach in Panik geraten. Murphy hat eigentlich nichts Schlimmes gemacht, doch ich bin losgerannt. Dann sind wir beide gefallen und die Skulptur ist umgestürzt. Es tut mir wirklich leid.«
»Schon gut.«
»Nein, das ist eine Katastrophe. Es tut mir …«
Ich brachte sie mit einem Kuss zum Schweigen. Mit nur zwei Schritten war ich bei ihr, umfasste ihren Nacken und presste meine Lippen auf ihre. Sie öffnete den Mund für mich, ließ meine Zunge herein.
Ich brauchte diesen Kuss dringend. Zum einen musste ich mich vergewissern, dass Sadie weiterhin mein Spielzeug war, zum anderen wollte ich nicht zu lange darüber nachdenken müssen, wie egal mir meine heiß geliebte Skulptur gewesen war, weil ich gedacht hatte, Sadie wäre etwas passiert …

All those ugly lies – Teil 19

Sadie

Das Buch lag unangetastet neben mir auf der Pritsche. Ich konnte mich nicht konzentrieren, weil mein Herz zu sehr hämmerte.
War das ein Test?
Es musste ein Test sein.
Oder?
Ich leckte mir über die trockene Unterlippe und versuchte, meine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Palmer war einfach gegangen. Die Zellentür hatte er dabei unverschlossen gelassen. Ich würde sie von innen aufdrücken können, wenn ich aufstand und hinging. Aber ich konnte nicht.
Mein Puls raste, kleine Schweißperlen sammelten sich in meinem Nacken und meine Atmung ging pfeifend. Ich verstand nicht, was in Palmers Kopf vor sich ging. Er war viel zu vorsichtig, um das Abschließen zu vergessen.
Es musste ein verdammter Test sein.
Vermutlich hockte er irgendwo im Haus und wartete nur darauf, dass ich dumm genug war, die Zelle zu verlassen. Bestimmt lauerte er auf einen Beweis, dass mir nicht zu trauen war – damit er meine Bitte um Hilfe abweisen konnte.
Oder wollte er, dass ich die Zelle verließ? Wenn ich nach oben ging und dort auf ihn wartete, konnte ich ihm beweisen, wie sehr er mir trauen konnte.
Ich schloss meine Augen und lauschte dem Rauschen meines Bluts in den Ohren. Wenn ich ehrlich war, hatte ich keine Chance, Palmers perfides Spiel zu durchschauen. Ich krallte die Finger um die Ecke der Pritsche und schüttelte den Kopf. Was sollte ich tun? Was sollte ich bloß tun?
Nach einer gefühlten Ewigkeit wagte ich es, aufzustehen und zur Tür zu gehen. Wie ich vermutet hatte, ließ sie sich öffnen. Mit angehaltenem Atem warf ich einen Blick in den Flur. Ich konnte weder eine Spur von Palmer noch tödliche Fallen entdecken. Nachdem ich mir gut zugeredet hatte, setzte ich den ersten Fuß über die Schwelle. Nichts passierte.
Mutiger hob ich auch den zweiten Fuß und trat in den Flur. Alles blieb ruhig, die Erde drehte sich weiter.
Trotzdem waren meine Knie weich wie Butter, als ich langsam den Gang entlanglief. Ich hatte keinen konkreten Plan und wusste nur, wie idiotisch es wäre, zu flüchten. Palmer hatte mir endlich seine Hilfe zugesichert und ich konnte nirgendwo anders hin. Ich hatte es bloß satt, von ihm eingesperrt zu werden.
Ich wollte das Haus erforschen, mehr über Palmer erfahren und endlich wieder Sonne auf meiner Haut spüren. Am Ende des Flurs führte eine schmale Treppe nach oben. Die Holzstufen waren wärmer unter meinen nackten Füßen als die Steinfliesen des Bodens.
Oben im Foyer blieb ich stehen. Ich kannte Palmers Küche, das Wohnzimmer, sein Schlafzimmer und den merkwürdigen Operationssaal. Bisher hatte ich in keinem der Räume ein Telefon oder einen Computer gesehen. Ich wollte gern die Nachrichten lesen. Mich interessierte mein eigener Fall, um genau zu sein.
Alle paar Schritte verharrte ich und lauschte, doch nach wie vor war das Haus ruhig. Ich drehte eine kurze Runde durch die Küche und trank ein Glas Wasser gegen meine trockene Kehle. Das Wohnzimmer war unspektakulär, allerdings wurde ich hierher zurückkommen, um fernzusehen, wenn ich keinen Computer finden sollte.
Ich öffnete die nächste Tür, um in den Operationssaal zu schauen. Nein, danke. Ich wollte mich abwenden, als ich zum ersten Mal den Durchgang bemerkte. Hier schien es einen weiteren Raum zu geben.
Widerwillig betrat ich den Saal, in dem es stark nach Desinfektionsmitteln roch. Alles war auf Hochglanz poliert. Ich ließ meinen Blick schweifen, bis ich das Tablet auf der Anrichte sah. Mein Herz schlug schneller. Ich ging hin und tippte den Bildschirm an. Das Display leuchtete auf. Leider forderte das Gerät mich auf, den sechsstelligen Sicherheitscode einzugeben.
Mit einem Fluch wandte ich mich ab, als ein kleiner Glaskasten neben dem Tablet meine Aufmerksamkeit erregte, weil das Innere sich zu bewegen schien. Ich sah genauer hin und bemerkte die unzähligen Käfer, die dort krabbelten. Mein Magen verkrampfte sich. Dennoch kam ich nicht gegen meine Neugier an und streckte zögerlich die Hand aus. Ich hob den Kasten und schüttelte ihn vorsichtig, bis ich etwas Rosafarbenes sehen konnte.
Es war ein menschlicher Finger. Ich würgte und schaffte es trotzdem, den Glasbehälter nicht fallen zu lassen. Die Insekten mussten Speckkäfer sein. Ich hatte mit der Schule damals ein Museum besucht, in dem sie uns gezeigt hatten, wie Käfer Tierskelette von den Weichteilen befreiten, ehe diese für die Ausstellung präpariert wurden.
Wozu brauchte Palmer die Knochen des Fingers? Mir wurde klar, dass ich nie gefragt hatte, woraus seine Skulptur im Eingangsbereich bestand. Kalter Schweiß brach mir aus. Hatte ich wirklich die richtige Person um Hilfe gebeten?
Ich stellte den Kasten zurück und ging zu dem Durchgang. Offenbar war hier lediglich die Heizungsanlagen untergebracht. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es kaum noch schlimmer kommen konnte, bis die Erkenntnis zu mir vordrang und ich mir wünschte, den Nebenraum gar nicht erst betreten zu haben. Wir befanden uns in Kalifornien, die Temperaturen draußen mussten um die 25 Grad liegen und trotzdem lief die »Heizung« auf höchster Stufe.
Ich ahnte bereits, dass es keine Heizung war. Das hier war irgendeine Art Verbrennungsofen. Ich erinnerte mich an das Klacken, das ich vor einer Weile gehört hatte. Palmer betrieb offensichtlich sein eigenes Krematorium. Kein Wunder, dass mein Vater ihn beauftragt hatte, um mich spurlos verschwinden zu lassen. In ein Häufchen Asche verwandelt zu werden, war die Definition von »spurlos«.
Ich wich von dem Ofen zurück. Großer Gott. Ich hätte einfach in der Zelle bleiben sollen. Für heute hatte ich genug unangenehme Überraschungen erlebt.
Ich würde sofort zurückgehen und vorgeben, sie nie verlassen zu haben, bevor ich im wahrsten Sinn des Wortes noch weitere Leichen in Palmers Keller fand.
Mein Vorsatz fiel in sich zusammen, weil ich ein Auto in der Einfahrt hörte. Er war zurück. Ich änderte meinen Plan. Um ihm zu beweisen, dass er mir vertrauen konnte, würde ich ihm die Tür öffnen und alles beichten. Wenn ich ehrlich war, konnte er nicht böse auf mich sein, oder?
Ich kehrte ins Flur zurück und kämpfte das Schwindelgefühl herunter. Genau in der Sekunde, als ich die Haustür öffnete, ertönte die Klingel. Ich konnte nicht sagen, ob ich überraschter war oder der Mann, der vor mir stand und den Finger noch auf dem Klingelknopf hatte.
»Sadie Eadric. Ich glaube es nicht.«
Meine Kehle wurde eng und meine überreizten Nerven sandten ein Dutzend widersprüchliche Botschaften an mein Gehirn. Von »Gefahr, Gefahr« bis hin zu »Vielleicht kann er dir helfen« war alles dabei.
Ich ließ meinen Blick an ihm hoch und wieder hinunter wandern, bis ich schließlich an den leuchtend roten Blutflecken auf seinen weißen Turnschuhen hängenblieb.
Er sah in die gleiche Richtung und hob sofort abwehrend die Hände. »Ich kann es erklären, okay? Kein Grund in Panik zu geraten. Ich bin ein Freund von Palmer. Mein Name ist Murphy.«
Seine Worte drangen wie durch Watte zu mir. Er hatte Blut auf dem Schuh. Normale Menschen hatten kein Blut auf dem Schuh. Vermutlich waren normale Menschen auch nicht mit Palmer befreundet.
»Hey, hey«, hörte ich ihn sagen. »Beruhig dich. Es ist alles in Ordnung. Alles ist gut.«
Mir wurde bewusst, dass ich fast hyperventilierte, so schnell saugte ich die Luft in meine Lunge. Nichts war in Ordnung. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wer der Kerl war und ob er mir gefährlich werden konnte. Was war, wenn er herausfand, dass Palmer nicht zu Hause war?
Als hätte er meine Gedanken gelesen, runzelte er die Stirn. »Moment mal. Solltest du nicht unten im Keller in der Zelle sitzen? Wo ist Palmer?«
Ich versuchte, die Tür zuzuwerfen, aber Murphy hatte exzellente Reflexe und drückte mit der Hand dagegen. Kurzentschlossen fuhr ich herum und rannte los.
»Sadie! Warte!«
Ich hörte seine Schritte hinter mir, dann spürte ich, wie er mein Shirt erwischte und mich zurückriss. Um mich schlagend versuchte ich, mich aus seinem Griff zu winden. Alles, was ich damit bewirkte, war es, uns beide zu Fall zu bringen. Ich landete hart auf der Seite und Murphy halb auf mir. Die Wucht des Aufpralls sorgte dafür, dass wir ein Stück über den Boden rutschten. Ich stieß mit dem Rücken gegen etwas Hartes.
Murpyh und ich sahen gleichzeitig nach oben. Wir hatten die Säule gerammt, auf der Palmers Skulptur in dem Glaskasten ausgestellt war.
Mir stockte der Atem, Murphy riss die Augen auf. Es war zu spät. Wir konnten die Katastrophe nicht verhindern. Der Kasten schlug knapp neben über unseren Köpfen auf. Im letzten Moment schirmte Murphy mich gegen das splitternde Glas ab.
Als er sich aufrichtete, hingen einige Scherben in seinem dichten, dunklen Haar. Er blickte auf mich hinunter und seufzte. »Palmer wird uns umbringen.«