Not Your Hero Sammelband

Der Sammelband „Not Your Hero“ ist ab sofort überall online und im Buchhandel zu bestellen.
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Er enthält „Darksome“ und „Hurt Me“ auf 352 Seiten.
 
ISBN 9783745093179
 
DARKSOME
[adj.] – finster, dunkel, trübe
Fünf Verwarnungen später und mein Job als Detective bei der Polizei hängt am seidenen Faden. Es ist einfach blöd gelaufen – und dann ist da noch die Sache mit meinem angeschossenen Kollegen. Natürlich will Chief Wick wissen, was passiert ist, aber ich kann uns nicht alle in die Scheiße reiten. Zur Strafe bekomme ich die Journalistin aufgehalst. Ich hasse Journalisten, selbst wenn sie so sexy wie Chloe Emerson sind. Warum kann sie mich nicht in Ruhe lassen? Ich schwöre, wenn sie mir noch einmal mit ihren penetranten Fragen auf den Leib rückt, werde ich von meinen Handschellen Gebrauch machen – und dann möchte ich sehen, wie viel von ihrem losen Mundwerk noch übrig ist …
 
HURT ME
Die Tochter eines ruchlosen Gangsterbosses, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Ein gefährlicher Krimineller, von dem die Mafia glaubt, er sei längst tot.
Stell dir vor, du willst dich an dem Mann rächen, der dich umbringen lassen wollte. Stell dir vor, du hast seine Tochter entführt und bist auf dem Weg zu einer verlassenen Hütte im Nirgendwo. Stell dir vor, seine Tochter ist wesentlich verführerischer, als du eingeplant hast.
Was würdest du tun?
 
Die eBooks sind einzeln in jedem Online-Shop erhältlich, die jeweiligen Taschenbücher exklusiv bei Amazon.

All those ugly lies – Teil 6

Palmer

Ich war zu früh dran. Doch das war Absicht, damit ich die Umgebung überprüfen konnte. Die Summe Geld, die dieser merkwürdige Typ mit dem französischen Akzent geboten hatte, war zu gut, um wahr zu sein. Deshalb wollte ich sichergehen, dass es keine Falle war.
Ich suchte lange und gründlich, konnte aber nichts entdecken – keine versteckte Kameras, keine Abhörvorrichtungen. Wie es aussah, hatte der Kerl die Wahrheit gesagt und wollte nur seine unbequeme Verlobte loswerden.
Die Sonne stand bereits tief, als ich hörte, wie ein weiterer Wagen sich näherte. Ich stieg aus und lehnte mich an den Mustang, um die Situation besser im Blick zu haben. Mir war das Prozedere sehr vertraut. Auf keinen Fall würde ich explizit aussprechen, worum es ging, bevor mein Geschäftspartner es nicht tat. Zwar konnte ich mir nicht vorstellen, dass Mister Fournier ein Cop war, doch Vorsicht hatte noch nie geschadet.
Mein Instinkt war richtig gewesen und ich verfluchte mich dafür, ihm nichtvertraut zu haben.
Mathis Fournier hatte mich angelogen, denn in meinen Augen sah die Frau auf dem Beifahrersitz recht lebendig aus. Es sei denn, er hatte sich zufällig schon die nächste Geliebte gesucht, die genau wie seine tote, im Kofferraum verstaute Verlobte aussah.
Irgendwie wagte ich das zu bezweifeln.
Während Fournier den Wagen neben meinem parkte, musterte sie mich und ein beunruhigter Ausdruck glitt über ihr Gesicht
Sie war clever – das ahnte ich sofort. Genau wie ich wusste, dass es meine Arbeit erschweren würde. Verdammt. Ich hasste solche Komplikationen.
Endlich wandte die Frau den Blick ab und fragte Fournier etwas, er gab ihr keine Antwort. Stattdessen stieg er aus und schenkte mir sein wieselartiges Lächeln. Er wirkte jederzeit, als wäre er bereit, das Messer bis zum Anschlag in den Rücken seines Geschäftspartners zu rammen. Ich traute ihm keinen halben Meter über den Weg und fragte mich ernsthaft, was seine Verlobte an ihm fand. War es vielleicht der französische Akzent? Mochten Frauen so etwas?
Er hatte ihr keine andere Wahl gelassen, als ebenfalls auszusteigen. Dann stand sie neben ihm und Fournier nickte in ihre Richtung. »Das ist Sadie.«
Hätten wir uns unter anderen Voraussetzungen an einem anderen Ort getroffen, hätte ich wahrscheinlich zur Kenntnis genommen, dass sie sehr attraktiv war. Außerdem lag in ihren grünen Augen eine Tiefe, die ich nur zu gern weiter erforscht hätte.
Stattdessen gestattete ich mir einen kurzen Moment, um die Kurven ihres Körpers und den leichten Hauch von Angst auf ihrem Gesicht zu genießen, bevor ich mich an Fournier wandte. »Zu dem Schluss bin ich auch schon gekommen. Aber warum zum Teufel lebt sie noch? Wir haben einen Deal, der besagt, dass sie längst tot sein sollte.«
Ja, ich hätte es dezenter formulieren können. Allerdings wollte ich die Reaktionen der beiden testen.
Fournier bekam hektische rote Flecken im Gesicht, die mir verrieten, dass er Probleme damit hatte, wenn er glaubte, jemand würde seine nicht vorhandene Autorität untergraben.
Sadie hingegen reagierte viel interessanter. Ich erwartete, dass sie sich zu ihrem Verlobten drehen und mit hysterischer Stimme verlangen würde, zu erfahren, um was es ging.
Stattdessen drückte sie den Rücken durch und nahm die Schultern nach hinten, als wäre sie nicht unbedingt überrascht. Sie ballte die Fäuste. Leider sagte sie nichts, obwohl ich darauf brannte, zu erfahren, wie ihre Stimme klang.
Der Weinhändler machten einen Schritt in meine Richtung, dabei fuchtelte er mit dem Zeigefinger durch die Luft. »Ich bezahle dich dafür, dass du machst, was ich sage. Bei der Summe, die ich bereitstelle, wird ein wenig Service ja wohl inklusive sein.«
»Bedaure«, sagte ich und verschränkte die Arme. »Ich bin kein Fünf-Sterne-Hotel.«
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass Sadie den Rückzug antrat. Sie war bereits fast wieder am Auto und plante offensichtlich, ihren Verlobten hier mit mir stehenzulassen. Ich unterdrückte ein Lächeln, um Fournier nicht darauf hinzuweisen.
Er bemerkte es selbst. In zwei Schritten war er bei ihr und packte ihren Oberarm. »Hiergeblieben, Baby.« Er spuckte das letzte Wort aus, sodass der Kosename wie eine Beleidigung klang. Ein paar Sekunden starrte er nach oben in den Himmel, bevor er theatralisch seufzte. »Jetzt ist es auch egal, nehme ich an. Ja, unser Deal war, dass ich sie direkt als Leiche herbringe. Doch die dumme Schlampe hier hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie mich vorgestern abserviert hat. Statt sie mit zu mir nehmen zu können und wie geplant umzubringen, musste ich gestern den ganzen Tag auf Knien rutschen, damit sie wenigstens heute mitkommt. Daher die Planänderung.«
Sadie schien wurde bleich. Zu meiner Überraschung fing sie sich erstaunlich schnell. Sie fuhr herum und gab Mathis eine Ohrfeige. Das Klatschen hallte durch die Luft. Sein Kopf flog zur Seite und auf der Wange zeigte sich ein großer Handabdruck.
Er packte ihr Handgelenk. Sadie wimmerte, als er sie zu sich riss und die Finger in ihren Haaren vergrub. Sein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Fratze. »Außerdem dachte ich, wir könnten uns noch ein bisschen mit ihr vergnügen. Der Sex hat mich immer zu Tode gelangweilt, aber ich kann nicht leugnen, wie sehr mich die Vorstellung antörnt, ihr ein paar ordentliche Schmerzen zuzufügen.«
»Lass mich los«, keuchte sie und wollte sich befreien.
Fournier ließ das nicht zu. Stattdessen wurde seine Miene noch bösartiger. Er hob den Blick und schaute mich an. »Wie sieht’s aus? Interessiert?«
»Klar. Aber sollten wir nicht erst einmal reingehen?«
Sadies Augen wurden so groß, dass ich mich für einen Moment darin verlor. In Wahrheit wollte ich überhaupt nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Doch egal, wie es ausgehen würde, es war in jedem Fall besser, hinter verschlossenen Türen zu sein als draußen.
Obwohl sie ihr Bestes gab und die Füße in den Boden stemmte, hatte Sadie keine Chance gegen Fournier. Er schleppte sie mit sich und ich half ihm auch noch, indem ich die Tür zum Hotelzimmer öffnete.
Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass Sadie zu schreien begann oder hysterisch wurde. Sie blieb geradezu beunruhigend still. Flüchtig fragte ich mich, was man tun musste, um sie zum Weinen zu bringen. Dabei erwischte ich meinen Schwanz, wie er sich regte.
Absolut unpassender Zeitpunkt, Buddy, dachte ich.
Die Zimmertür fiel ins Schloss und Fournier versetzte Sadie einen Stoß. Der Absatz ihres hübschen schwarzen High Heel verfing sich im Teppich. Sie fiel hin und krabbelte dann auf Händen und Füßen vor ihrem Verlobten weg, bis sie mit dem Rücken an die Wand stieß. Sie schob sich daran hoch, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Als er einen Schritt auf sie zumachte, verspürte ich das Verlangen, mich einzumischen, obwohl es sonst nicht meine Art war.
»Die Sache ist, dass ich eigentlich nicht gern teile«, erklärte ich vollkommen neutral.
Fournier runzelte die Stirn. Er riss seine Aufmerksamkeit von Sadie los und sah mich an. »Du bist ein Sadist, richtig? Das haben mir zumindest die Leute erzählt, die mir den Kontakt zu dir vermittelt haben.«
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust. »Es wurde mir zumindest schon vorgeworfen.«
Sein Grinsen ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen – und das war wirklich nicht leicht zu erreichen.
»Ich lasse dir gern den Vortritt und sehe zu«, erklärte er. Dabei machte er eine großzügige Handbewegung und deutete auf Sadie. »Nach dir.«
Sadies Blick flog zu mir. Sie presste sich noch immer gegen die Wand. Es verwirrte mich jedoch, keine Spur von Angst in ihrem Gesicht zu sehen. Sie schien eher wütend zu sein – wütend und verwirrt traf es wohl am besten.
Ich studierte sie und hatte in genau dem Moment das merkwürdige Gefühl, dass sie mich durchschaute. Sie starrte mich an, als würde sie mein Innerstes sehen und jeden noch so geheimen und abartigen Gedanken lesen können. Ihre grünen Augen schienen zu sagen: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Dein wirkliches Ich.
»Worauf wartest du?« Fourniers Stimme störte den intimen Moment.
Ich musste improvisieren. Zwar hatte ich mich nicht einmischen wollen, aber Sadie faszinierte mich und bis ich einen Plan hatte, was ich tun wollte, musste ich beide beschäftigt halten. Ich machte einen Schritt in ihre Richtung. »Was soll ich tun?«
Fournier gab ein verächtliches Geräusch von sich. »Das ist mir egal. Hauptsache du tust ihr weh.«
Was für eine hilfreiche Aussage. Ich könnte ihr jetzt auch einfach einen Finger abschneiden. Obwohl es ihr immense Schmerzen zufügen würde, hatte ich so eine Theorie, dass es nicht das war, was Fournier sich vorstellte.
Sadie wollte nach links ausweichen, als ich zu ihr kam. Ich legte die Hand neben ihr an die Wand, woraufhin sie nach rechts flüchtete. Glücklicherweise hatte ich zwei Arme. Es war nicht schwer, sie mit meinem Körper gefangenzuhalten.
Es faszinierte mich ungemein, dass sie noch immer nicht protestierte, herumschrie oder sonst etwas tat, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen.
Um ein Haar hätte ich sie gefragt: Verrate mir, was ich tun muss, um dich zum Betteln zu bringen, Sadie?
Aber ich schwieg. Denn ich hatte soeben beschlossen, dass ich es von allein herausfinden wollte. Die Frage war nur, wie ich es anstellen sollte.
Tapfer hielt sie meinem Blick stand und zuckte nur minimal, als ich ihre Arme packte. Ich führte sie über ihrem Kopf zusammen, damit ich sie mit einer Hand gegen die Wand pressen konnte, und umfasste der anderen Hand ihr Kinn.
Sie öffnete den Mund. Die rosafarbene Zungenspitze erschien, um ihre Lippen zu befeuchten. Hoffentlich war ihr klar, dass es wie eine Einladung wirkte.
Noch immer tat sie nichts, um mich zu hindern. Seit ich ihre Hände festhielt, hatte sie nicht einmal versucht, freizukommen. Sadie kämpfte nicht gegen mich, stattdessen folgte sie meinem Blick zu ihren Lippen, und schien genau zu wissen, was ich dachte.
Um sie nicht noch länger warten zu lassen, beugte ich mich vor und küsste sie.

All those ugly lies – Teil 5

Sadie

Hätte ich nicht bereits die halbe Flasche Absolut Vodka Peppar geleert, wäre ich garantiert nicht ans Handy gegangen. Der Pfeffergeschmack erfüllte meinen Mund, als ich nach dem Telefon tastete und die Augen zusammenkniff, um den Namen lesen zu können.
Mathis.
Keine große Überraschung, da er an diesem Tag allein gefühlt zwanzig Nachrichten hinterlassen hatte.
In meiner Familie waren wir nicht unbedingt gut darin, über Gefühle zu reden, weshalb ich ihnen noch nichts von meinem Streit mit dem perfekten Frankokanadier erzählt hatte. Manchmal war ich mir sicher, dass meine Eltern Mathis heiraten würden, wenn sie nur könnten. Deswegen zog ich es vor, in meinem Bungalow zu sitzen, traurige Musik zu hören und den einzigen Vodka zu konsumieren, den ich auf die Schnelle hatte auftreiben können. Der Laden hatte gefühlte 28.000 Sorten Wein gehabt, aber nur drei Flaschen Schnaps. Absolut Vodka Peppar – wenn man wusste, dass man kaum noch tiefer sinken konnte.
»Hallo?« Obwohl ich betrunken war, konnte ich selbst hören, wie voll ich war. Normalerweise bildete man sich ja eher ein, vollkommen normal zu klingen. Nicht in diesem Fall. Ich war voll bis unter die Dachrinne.
»Sadie. Gott sei Dank. Ich habe mir Sorgen gemacht.«
Ich streckte mich auf dem Boden aus, während ich mit einer Haarsträhne spielte. »Hm.« Zu eine eloquenteren Aussage war ich nicht fähig.
»Hör zu: Es tut mir leid, wie ich mich verhalten habe. Du hast vollkommen recht. Immer nur Wein, Wein, Wein. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal über etwas Anderes nachgedacht habe. Bitte lass es mich wieder gutmachen.«
Ich dachte nach. Dabei schwieg ich eine lange Zeit, weil mein Gehirn im betrunkenen Status wesentlich langsamer war. Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich etwas sagen musste. »Sprich weiter.«
»Was hältst du davon, wenn wir zusammen wegfahren? Irgendwohin, wo Wein keine Rolle spielt. Nur wir beide. Immerhin habe ich es doch richtig verstanden, dass ich dir noch sechs Orgasmen schulde, oder?« Er senkte die Stimme, bis ich tatsächlich so etwas wie einen verführerischen Tonfall wahrnahm.
»Ich bin betrunken«, verkündete ich vollkommen zusammenhangslos.
»Das weiß ich, Baby. Es tut mir leid, dass ich dich so weit gebracht habe. Wie stehst du zu meinem Vorschlag? Wir machen einen netten Shoppingbummel, besuchen ein Spa und gönnen uns zwei Nächte in einem schicken Hotel. Das bin ich dir schuldig.« Ich ließ es mir durch den Kopf gehen, bis er fragte: »Sadie? Bist du noch da?«
»Ja«, antwortete ich. »Klingt gut.«
Mathis atmete tief durch. »Du glaubst nicht, wie sehr es mich freut, das zu hören. Du hast mich gestern wirklich wachgerüttelt. Hier ist mein Vorschlag: Du schläfst deinen Rausch aus und packst eine Tasche, dann hole ich dich morgen Vormittag ab. Wir gehen frühstücken – ach, was sage ich da! Wir machen alles, wie du es möchtest, und ich verspreche, dass ich nicht einmal an Wein denken werde.«
»Okay.«
»Wunderbar. Schlaf gut, Baby, ich liebe dich.«
Das Handy glitt aus meinen Fingern und noch während ich zusah, wie es zu Boden fiel, fragte ich mich, warum ich ihm nicht mehr glaubte. Nicht einmal dann, wenn mein Urteilsvermögen durch viel zu viel Alkohol beeinträchtigt war.

***

Ich brauchte zwei Kopfschmerztabletten, vier Tassen Kaffee und eine ausgiebige heiße Dusche, bis ich wieder wusste, wie Menschen in der Regel funktionieren.
Zum Glück hatte ich in meinem Bungalow, der exakt so eingerichtet war wie die Ferienhäuser für die Gäste, eine vollausgestattete Küche, und konnte mich selbst mit Kaffee versorgen, ohne meiner Mutter unter die Augen zu treten.
Ich zwang mich sogar dazu, ein Glas Orangensaft zu trinken, obwohl mein Magen sich bereits beim Anblick der sonnengelben Flüssigkeit verkrampfte. Aber ich versuchte, mich selbst mit den darin enthaltenen Vitaminen zu überzeugen. Die Säure brannte ich meiner Speiseröhre und ich war froh, als das Glas leer war.
Mitten in der Nacht hatte Mathis mir eine Nachricht geschrieben, in der er sich für 10.30 Uhr ankündigte. Es war jetzt kurz vor zehn. Ich musste noch packen und meine Haare föhnen.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, hatte ich eigentlich keine Lust, den ganzen Tag mit Mathis zu verbringen, aber zumindest eine letzte Chance war ich ihm noch schuldig.
Wie immer kam er eine Viertelstunde zu früh und ich konnte froh sein, mir in der Zwischenzeit wenigstens die Haare geföhnt zu haben. Ich ließ ihn herein.
Mathis folgte mir bis ins Schlafzimmer, wo meine geöffnete Reisetasche auf dem Bett stand, und lehnte sich an den Türrahmen. »Eigentlich musst du nicht viel einpacken.«
Als ich ihn fragend ansah, wackelte er bedeutungsschwer mit den Augenbrauen, als würde er andeuten wollen, dass ich ohnehin die ganze Zeit nackt sein würde.
»Warum sagst du das?« Ich runzelte die Stirn.
Er legte seine Hand auf die Brust. »Ich versuche, mir deine Einwände zu Herzen zu nehmen. Du hast ja recht. Ich bin viel zu wenig auf dich eingegangen und habe dir nicht deutlich genug gezeigt, wie sehr ich dich begehre.«
Ein paar Wochen früher hätte ich mich wahrscheinlich über diese Aussage gefreut, doch nun suchte ich in seinen Augen nach der Wahrheit, weil ich ihm nicht glaubte. Es war dieses verfluchte Bauchgefühl, das ich einfach nicht mehr abschütteln konnte. Seit ich den Vertrag zwischen ihm und meinem Vater gefunden hatte, war mein Vertrauen erschüttert. Bisher hatte ich meinen Dad noch nicht darauf angesprochen, da ich mir seine Reaktion ausrechnen konnte. Er würde einen Wutanfall bekommen und mir ausweichen.
Nein, wenn ich wissen wollte, was es damit auf sich hatte, musste ich geschickt vorgehen. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte.
Mathis kam zu mir und legte die Hände um mein Gesicht. »Du wirst schon sehen. Ich habe mir etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Heute bin ich nur für dich da und werde dich auf Händen tragen wie eine Prinzessin.«
Ich wartete auf das Herzklopfen, das Flattern der letzten verbliebenen Schmetterlinge in meinem Bauch, doch da war nichts – nur eine ungute Ahnung.
»Wir gehen frühstücken, gehen einkaufen und heute Abend habe ich den besten Tisch im Point Rouge reserviert. Immer, wenn du dorthin wolltest, Baby, habe ich abgelehnt und ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wieso. Ich musste ein paar Gefallen einfordern, um an die kurzfristige Reservierung kommen, aber mir sagt etwas, dass es die Mühe wert war, wenn ich dich glücklich machen kann.«
Er beugte sich vor und spitzte die Lippen. Ich erwartete einen Kuss, weshalb ich mich kurz versteifte, bis ich eine flüchtige Berührung an der Wange spürte.
Es war merkwürdig. Mathis sagte die süßesten Sachen zu mir und gab mir Kosenamen, doch manchmal hatte ich den Eindruck, dass er beinahe angewidert von mir war.
»Auf geht’s«, sagte er und nahm die Reisetasche in die Hand. Er wandte sich zu mir und zum ersten Mal seit Wochen hatte ich den Eindruck, endlich wieder den Mathis zu sehen, den ich damals kennengelernt hatte.
Vielleicht bestand noch der Hauch einer Hoffnung. Das Wochenende würde endlich Licht ins Dunkel bringen.
***

Nachdem die Reste des Desserts weggeräumt worden waren, wusste ich bereits nicht mehr, worüber ich mit Mathis reden sollte. Auf dem Weingut oder beim Abendessen mit meinen Eltern war mir nicht so schmerzhaft bewusst gewesen, wie wenig wir uns eigentlich zu sagen hatte.
Wenn ich darüber nachdachte, verbrachten wir generell kaum Zeit zu zweit. Mathis wollte ständig neue Restaurants ausprobieren, dann wurden wir auf Partys eingeladen oder hatten selbst Veranstaltungen auf dem Weingut. Die Vorstellung, einen Abend mit ihm auf der Couch in meinem Bungalow zu verbringen, erschien geradezu absurd.
Ich wollte ihn nicht ausschließen, doch alles, was das von ihm geplante Wochenende in mir auslöste, war die Erkenntnis, dass wir nicht zusammenpassten. Natürlich gab es keinen vernünftigen Zeitpunkt, dieses sensible Thema anzusprechen – schon gar nicht hier im Restaurant. Sobald wir später im Hotel waren. würden wir sicher die Gelegenheit für ein Gespräch haben. Es musste Mathis auch längst aufgefallen sein. Wir hielten an etwas fest, das nie funktionieren würde.
In dem Moment legte Mathis seine Hand auf meine. »Du siehst wunderschön aus, Baby. Habe ich das heute schon gesagt? Ich kann es kaum erwarten, zum Empire Spa zu kommen, und dich ganz für mich allein zu haben.«
Fast hätte ich ihm meine Finger entzogen. Meine Lippen formten das Wort »nicht«. In letzter Sekunde hielt ich mich zurück und zwang mich stattdessen zu einem Lächeln. Meine Mutter wäre sicher stolz auf mich gewesen, wie beeindruckend ich den Schein in der Öffentlichkeit wahrte, obwohl ich innerlich nur schreien wollte.
»Was hältst du davon, wenn wir direkt hinfahren? Wir müssen nicht einmal mehr zur Rezeption, weil ich die Zimmerschlüssel schon habe. Es lebe das digitale Zeitalter.« Er zwinkerte mir zu.
»Das klingt gut.« Ich hob meine Mundwinkel etwas weiter an und legte mir dabei die passenden Worte zurecht. Unterschiedliche Interesse und wenig Gemeinsamkeit. Unbefriedigender Sex. Andere Prioritäten im Leben. Freunde bleiben.
In Gedanken versunken bekam ich kaum mit, wie Mathis bezahlte und mich aus dem Restaurant führte. Ich sank auf den ledernen Beifahrersitz und betrachtete die glitzernden Lichter der nächtlichen Stadt, während mein zukünftiger Ex-Verlobter fuhr.
Meine Mutter würde es wahrscheinlich hart treffen. Aber ich war nur froh, der Falle zu entkommen, bevor sie sich in Form einer Hochzeit wie eine Schlinge um meinen Hals legte.
Mathis lenkte seinen BMW 5er Touring die Zufahrt des Empire Spa & Resorts entlang und tätschelte dabei mein Knie. »Ich habe uns die abgelegenste Suite gemietet, damit wir niemanden stören.«
Eigentlich wollte ich lächeln, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Der ganze Tag fühlte sich erzwungen und falsch an. Ich hatte den Eindruck, Schauspielerin in einem Theaterstück zu sein, dessen Text ich nicht kannte.
Der weiße Flachbau ragte vor uns auf und je näher wir kamen, desto offensichtlicher wurde es, dass wir nicht allein waren.
Ein feuerroter Mustang parkte davor, das genaue Gegenteil zu Mathis’ spießigem Kombi. Der Fahrer lehnte an der Seite, hatte die Arme verschränkte und wartete auf uns. Er wollte zu uns – daran bestand für mich kein Zweifel. Immerhin gab es hier im Umkreis von mehreren hundert Metern kein weiteres Gebäude.
In meinem Bauch machte sich ein merkwürdiges Kribbeln breit. Der Mann sah nicht nach einem Freund meines Verlobten aus. Ganz im Gegenteil. Ein Schauer lief über meinen Rücken, während ich ihn betrachtete.
»Wer ist das?«, wollte ich wissen, als Mathis neben dem Mustang parkte.
»Ein Freund.«
Das ungute Gefühl verstärkte sich. Doch Mathis stieg einfach aus und ließ mir damit keine Möglichkeit, als ebenfalls aus dem Wagen zu klettern.
Der Fremde ließ seinen Blick über mich schweifen, was ich als Einladung auffasste, das Gleiche zu tun.
Er war in etwa einen Kopf größer als ich und hatte breite Schultern. Seine schwarze Kleidung und die unzähligen Tattoos ließen ihn wie einen Bad Boy wirken, aber der Begriff erschien mir vollkommen unzulänglich. In seinen dunklen Augen lag nicht ein Funken Freundlichkeit oder Wärme. Als er seine Muskeln anspannte, fürchtete ich die tätowierten Arme könnten das schwarze T-Shirt sprengen, das er trug. Sein Outfit wurde durch eine Jeans und schwere Boots vervollständigt.
Es irritierte mich, dass er sich bisher weder vorgestellt noch uns begrüßt hatte.
Mathis grinste schief. »Das ist Sadie.«
Der Fremde verzog den Mund und wandte seine Aufmerksamkeit meinem Verlobten zu. Es war nicht die Art, wie er sprach, oder dass er mich dabei vollkommen ignorierte, was mir unter die Haut ging, sondern was er sagte: »Zu dem Schluss bin ich auch schon gekommen. Aber warum zum Teufel lebt sie noch? Wir haben einen Deal, der besagt, dass sie längst tot sein sollte.«

Bittersweet Submission Sammelband

Der Sammelband mit allen drei Bittersweet-Geschichten ist ab sofort überall online und im Buchhandel zu bestellen.

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Er enthält „Bittersweet Discipline“, „Bittersweet Dominance“ und „Bittersweet Obedience“ auf 284 Seiten.

ISBN 9783745073577

BITTERSWEET DISCIPLINE
Seit sieben Jahren raube ich mit meinen Komplizinnen reiche Firmen aus. Bisher ist immer alles glatt gegangen. Rein, Geld erbeuten, wieder raus. Niemand wird verletzt.
Bis jetzt. Ethan Cohen hat unseren Trickbetrug durchschaut – und schlimmer noch: Er droht damit, mich der Polizei zu übergeben, wenn ich mich weigere, die Schulden in seinem Schlafzimmer abzuarbeiten.
Als seine Sexsklavin …

BITTERSWEET DOMINANCE
Ryanne stellt meine und die Geduld meines Partners Shane auf eine harte Probe. Ihr Bruder hat uns beauftragt, sie zu beschützen – nur ist sie der Meinung, unseren Schutz nicht zu benötigen. Eigentlich halte ich mich immer an das Motto »Erst die Arbeit, dann das Vergnügen«, aber Ryanne bettelt förmlich um eine Lektion. Außerdem merke ich, wie Shane sie ansieht. Ich wäre eifersüchtig, wenn ich nicht wüsste, dass wir stets brüderlich teilen …

BITTERSWEET OBEDIENCE
Eigentlich wollte ich nie nach Nebraska zurückkehren, doch ich muss das Haus meines verstorbenen Vaters verkaufen. Hoffentlich laufe ich Jordan nicht über den Weg. Immerhin ist er der einzige Mann, der mir je das Herz gebrochen hat – und der erste, den ich ausgeraubt habe …

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All those ugly lies – Teil 4

Palmer

Ich nahm den abgetrennten Finger von der Arbeitsplatte und legte ihn in die Schale, die ich immer benutzte, um meine kleinen Trophäen vorzubereiten. Es war nicht mehr als absurde Eitelkeit, das war mir bewusst. Trotzdem machte es mir Spaß.
Der Ofen hatte die nötigen 650 Grad erreicht und ich konnte Nadias Leiche hineinschieben, bevor ich mich ihrem Finger widmete. Die Zähne lagen bereits in der kleinen, ordentlich beschrifteten Plastiktüte. Ich hatte inzwischen drei davon in der Ablage, da ich Murphy schon länger nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Er war der einzige Kontakt zur Regierung, den ich hatte, und sammelte die Zähne eigentlich regelmäßig ein. Zwar hätte ich ihn anrufen können, doch ich vertraute darauf, dass er sich melden würde, wenn er etwas brauchte. Das hatte er bisher immer getan.
Nachdem ich die Schale mit dem Finger ins Terrarium gestellt hatte, ließ ich die Speckkäfer darauf los. Immerhin war ich nur an den Knochen interessiert. Das Fleisch überließ ich lieber den Käfern. Aufgrund dessen, dass ich mich nicht darum kümmern musste, blieb mir auf diese Weise mehr Zeit für andere Dinge. Zum Beispiel den Mann im zweiten Raum.
Ich ging hinüber und betrachtete ihn. Er lag auf einer Liege. Die Fixierung an seinem Kopf ließ ihm keine andere Wahl, als aus weit aufgerissenen Augen an die Zimmerdecke zu starren. Vermutlich wunderte er sich, warum er nicht wie versprochen ein neues Gesicht für seine Zeugenaussage bekommen hatte, sondern geknebelt aufgewacht war.
Ich hatte mich gerade für das zweitgrößte Messer entschieden, da gab der Ofen ein lautes Knacken von sich – so laut, dass ich es im Nebenraum hören konnte. Mit einem Seufzen legte ich das Messer zurück. Es gab nichts, was ich so sehr hasste wie Unregelmäßigkeiten in meinem Arbeitsplan.
Seit ein paar Monaten machte der Ofen Probleme und obwohl ich alles gelesen hatte, was ich zu Krematorien und den Öfen gefunden hatte, wusste ich nicht genau, wie das Ding repariert oder gewartet werden musste.
Mein Job beinhaltete nun einmal eine gewissen Diskretion, weshalb ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, erst einen Handwerker kommen zu lassen, um ihn danach umzubringen, weil er den Ofen gesehen hatte.
Außerdem würde ich in den Betrieb, in dem der Mann arbeitete, einbrechen müssen, um seine Unterlagen zu vernichten. Selbst dann wäre nicht sichergestellt, dass er nicht einem Bekannten, Kollegen oder seiner Frau von dem Auftrag an diesem Tag erzählt hatte, woraufhin sämtliche Spuren nach seinem Verschwinden auf mich deuten würden.
Es ging einfach nicht. Sobald ich eine Zeitlang Leerlauf hatte, würde ich mich selbst auf die Suche nach dem Fehler machen müssen. Zum dritten Mal.
Ich drückte wieder auf den roten Knopf und der Ofen sprang an, als wäre nichts gewesen.
Das war der Nachteil, wenn man solche Dinge aus zweiter Hand kaufte: Man bekam keine Bedienungsanleitung mitgeliefert.
Wobei es eher ein Zufall gewesen war, dass ich an das Haus geraten war, das direkt ein eingebautes Krematorium besaß. Gekauft hatte ich vor knapp sieben Jahr von Big Tito, einem zu diesem Zeitpunkt ehemaligen Mafia-Mitglied.
Ich war erstaunt gewesen, als ich ihn getroffen hatte. Bisher war ich davon ausgegangen, dass die Mafia kein Unternehmen war, das man einfach verlassen konnte, wenn einem der Sinn danach stand. Big Tito hatte mich eines Besseren belehrt. Allerdings war er sehr clever gewesen. Er war ausgestiegen und hatte der Mafia gleichzeitig einen perfekten Deal angeboten: Sie ließen ihn gehen, er kümmerte sich dafür um sämtliche anfallenden Leichen. Denn Big Tito hatte schon in diesem Stadtteil gewohnt, als es noch eine üble Ecke gewesen war. Damals hatte er einen Spottpreis für die Villa bezahlt und den Ofen erst danach entdeckt. Inzwischen war es eine hippe Gegend mit riesigen Anwesen, die genügend Privatsphäre boten.
Ich wartete ab, ob der Ofen erneut den Dienst quittieren würde, bis ich das Zischen der Flammen hörte. Alles klar, dachte ich und ging wieder zu Opfer Nummer 67 für dieses Jahr.
In guten sechs Stunden musste ich am Spa sein – mehr als genug Zeit, um mich mit Nummer 67 zu beschäftigen.
Spontan entschied ich mich gegen das Messer und nahm stattdessen die Spritze. Für das, was ich mit ihm anstellen wollte, musste er stillhalten. Ich hatte aus Erfahrung allerdings gelernt, dass die wenigsten Menschen ruhig blieben, wenn man ein Skalpell an ihrer Stirn ansetzte, die Haut aufschnitt und zurückschlug. Deshalb benutzte ich lieber meinen speziell hergestellten Betäubungsmittelcocktail. Meine Opfer konnten sich nicht bewegen, waren aber bei vollem Bewusstsein und spürten alles. Wo wäre sonst der Spaß geblieben?
In den letzten Tagen hatte ich einige interessante Artikel zum Claustrum gelesen und wollte es mir nun einmal selbst ansehen. Wenn ich ehrlich war, hatte es gedauert, bis ich mich an das Geräusch der Knochensäge gewöhnt hatte, deshalb überraschte es mich nicht, dass mein Pseudo-Patient entsetzt wirkte. Er hätte wahrscheinlich die Augen aufgerissen, wenn er gekonnt hätte. Nachdem ich die Schädelplatte zur Seite gelegt hatte, betrachtete ich das Gehirn von Nummer 67. Es wirkte reichlich unspektakulär.
Vermutlich ebenso unspektakulär wie das Claustrum selbst. Es war angeblich nicht mehr als ein grauer Lappen, der grob wie die Vereinigten Staaten von Amerika geformt war.
Viel faszinierender fand ich die Tatsache, dass es keine genauen Erkenntnis darüber gab, was die Funktion des Claustrums war. Einige Forscher waren der Meinung, es würde das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen steuern, quasi wie ein Dirigent das Orchester. Andere glaubten, dass es die Seele der Menschen beherbergte. Außerdem gab es Studien, bei denen gemessen worden war, wie viel mehr das Claustrum durchblutet wurde, wenn Männer sich Pornos ansahen.
Das zusammengenommen mit der Theorie über den Sitz der Seele sagte vermutlich viel über unsere Gesellschaft aus.
»Siehst du gern Pornos?«, wollte ich von Nummer 67 wissen.
Seine Lippen formten lautlos das Wort ja. Ich nickte. Nicht, dass er nach heute noch eine Gelegenheit bekommen würde, sich einen Porno anzusehen, aber es befriedigte mich immer, wie ehrlich die Leute auf meinem Tisch waren. Entweder sie wurden von der Panik dazu getrieben oder durch die Erkenntnis, dass es keine Rolle mehr spielte, was sie sagten, da das Ende ohnehin gekommen war.
Es machte keinen Sinn, das Ganze noch weiter hinauszuzögern. Mit dem Skalpell arbeitete ich mich durch den Neocortex. Das Claustrum war nicht schwer zu finden und trotzdem war ich stolz, als ich es hervorholte. Es war kleiner als ich es mir vorgestellt hatte.
Nummer 67 zuckte ein letztes Mal, bevor seine Augen leer wurden.
Mitleidslos betrachtete ich ihn, dann legte ich das graue Stück Gehirn auf einen Objektträger, um es mir nachher in tausendfacher Vergrößerung anzusehen. Vielleicht würde es mir ja gelingen, herauszufinden, ob dort die Seele saß oder nicht.
Wobei ich mir, bei dem, was Nummer 67 in seinem Leben angestellt hatte, nicht vorstellen konnte, dass er überhaupt eine Seele gehabt hatte.
Stone Sour dröhnten noch immer aus dem Sound Dock und während ich den Objektträger gegen das Licht betrachtete, spürte ich ein Lächeln auf meinen Lippen. Vielleicht würde der Tag doch nicht so schlimm werden, wie ich ursprünglich gedacht hatte.
Jetzt musste ich mich nur noch um den Knochen für meine Trophäe kümmern.

Dark Romance bei Tag, Thriller bei Nacht

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Mia Kingsley schreibt als Nora Lybeck:

Damit du mich liebst Rose V3 neu

Er will doch nur, dass du ihn liebst.

Getrocknete Blutflecken. Ein Verlies. Etwas stimmt nicht. Bevor Charlotte vollständig versteht, was passiert ist, steht ein Mann vor ihr. Sein Name ist Ben. Ben kennt jedes Detail ihres Lebens: was sie gern isst, mit wie vielen Kissen sie schläft, welche Bücher sie am liebsten liest …
Charlotte hingegen hat ihn noch nie zuvor gesehen.
Ben verspricht, ihr nichts anzutun. Er will nur von ihr geliebt werden. Charlotte ist sich sicher, dass seine Freundlichkeit eine Falle sein muss – dabei ist Ben tatsächlich nicht ihr größtes Problem.

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All those ugly lies – Teil 3

Sadie

Ich fragte mich, ob Mathis bewusst war, dass ich seit exakt elf Minuten kein Wort mehr gesagt hatte. Nicht mehr, seit er angefangen hatte, mit der rothaarigen Kellnerin zu flirten.
Ein Teil von mir war sich der Tatsache, wie egal mir sein Verhalten geworden war, geradezu schmerzhaft bewusst.
Ich hatte mein Handy unter der weinroten Stoffserviette versteckt und schaute immer wieder verstohlen aufs Display, um nicht unhöflich zu wirken. Dabei hatte mein Verlobter gar keine Aufmerksamkeit für mich übrig.
Es brachte alles nicht, ich musste ihm endlich sagen, was längst überfällig war. Ich faltete meine Hände im Schoß, machte mich innerlich bereit und wartete.
»Das könnte der bisher beste Jahrgang sein«, erklärte Mathis mir, nachdem die Kellnerin endlich verschwunden war. Er nahm die Flasche Petit Duret in die Hand und machte ein riesiges Theater darum, das Etikett zu studieren. Eigentlich fehlte nur noch ein Monokel vor seinem Auge. Dann goss er mir erneut Wein ein.
»Mathis«, begann ich.
Doch genau in diesem Moment legte er seine Hand auf meine und lächelte mich an. Mit Mühe konnte ich mich dazu zwingen, meine Mundwinkel hochzuziehen.
Er streichelte meinen Handrücken mit dem Daumen. »Habe ich dir heute schon gesagt, wie hübsch du aussiehst?«
»Hübscher als die Kellnerin?« Ich hatte mich zurückhalten wollen, trotzdem rutschte mir diese kleine Spitze heraus.
»Selbstverständlich. Baby, ich kann nichts für meinen natürlichen Charme.« Entschuldigend zuckte er mit den Achseln, bevor er sich wieder dem Wein zuwandte.
Sein »natürlicher Charme« schien sogar meinen Vater eingewickelt zu haben. Ich überlegte, wie ich das Thema darauf bringen konnte.
Ehe ich die richtigen Worte gefunden hatte, griff Mathis wieder nach der Weinflasche.
Er legte den Kopf schräg und wirkte damit wie ein neugieriger Vogel. »Die meisten Weinkellereien in der Gegend sind kaum Konkurrenz, aber der hier – darauf müssen wir ein Auge haben.«
»Vermutlich«, erwiderte ich und ließ den Wein in meinem Glas kreisen. Manchmal wünschte ich mir, wenigstens einen Abend hinter mich bringen zu können, ohne über dieses Thema sprechen zu müssen. »Mathis, als du mir gesagt hast, dass ich die Lieferformulare in deiner Ablage finde, habe ich nachgesehen und stattdessen etwas anderes gefunden.«
Mein Verlobter schien seine Aufmerksamkeit nur mit Mühe von dem Wein losreißen zu können. »Was denn, Baby?«
Ich betrachtete sein absolut durchschnittliches Gesicht und fragte mich, was ich überhaupt an ihm fand. Am Anfang unserer Beziehung hatte sich seine Miene aufgehellt, sobald er mich angesehen hatte. Jetzt betrachtete er mich wie eine Weinrebe, die nicht den gewünschten Ertrag brachte.
Bisher hatte ich noch keinen Schluck getrunken und stellte das Glas weg. »Ich hatte gehofft, du könntest mir die Frage beantworten. Für mich wirkte es wie ein Vertrag, in dem mein Vater dir das Weingut überschreibst – für den Fall, dass mir etwas passiert, sobald wir verheiratet sind. Allerdings war nur deine Unterschrift darauf, weshalb ich nicht genau weiß, wessen Idee es war.«
Ich war den ganzen Tag nervös gewesen, weil ich gewusst hatte, dass ich Mathis mit meinem Fund konfrontieren musste. Jetzt war ich allerdings erstaunlich ruhig, was mich selbst irritierte.
Er blinzelte zweimal schnell hintereinander. Ich kannte ihn lang genug, um zu wissen, was in ihm vorging. Mathis neigte dazu, zweimal zu blinzeln, wenn seine Gedanken rasten und er sich selbst Zeit verschaffen wollte, um nachzudenken.
Die Kellnerin kam wieder und brachte den Salat mit Walnüssen und Ziegenkäse, den ich überhaupt nicht essen wollte. Mathis hatte einfach für uns beide bestellt, ohne mich an der Entscheidung teilhaben zu lassen. Dieses Motiv schien sich in letzter Zeit durch mein Leben zu ziehen. Sie wünschte uns guten Appetit und verschwand.
Mathis räusperte sich. »Das hast du missverstanden, Sadie.« Er griff nach dem Weinglas und trank einen beachtlichen Schluck.
»Ich kann lesen.« Mit gerecktem Kinn verschränkte ich die Arme. »Und ich bin mir sicher, dass ich es richtig verstanden habe. Mich interessiert nur, was es damit auf sich hat.«
»Eine reine Sicherheitsmaßnahme, Baby.« Er wollte erneut nach meiner Hand greifen, doch ließ den Arm sinken, weil ich keine Anstalten machte, meine abwehrende Haltung zu lösen.
»Habt ihr sonst noch Maßnahmen getroffen, von denen ich wissen sollte?«
»Natürlich nicht.« Er versuchte, empört zu klingen.
Ich glaubte ihm nicht und diese Erkenntnis sorgte dafür, dass mein Magen sich zu einem harten Ball zusammenzog. Wie lange wollte ich diese Farce noch aufrecht erhalten?
Er hob den Blick und schaute mich wie ein Hundewelpe aus seinen braunen Augen an. Doch statt Wärme und einer Entschuldigung, sah ich nichts als Härte und Ablehnung. Dann blinzelte er und griff nach meiner Hand. »Entschuldigung, Baby, es war dumm, vorher nicht mit dir darüber zu sprechen. Im Grunde ist es nicht mehr als eine Art Testament.«
Der Moment der Ablehnung war vorbei und er wirkte wieder wie Mathis. Nur, dass ich nicht mehr zu besänftigen war. Der Mathis, den ich kannte, entschuldigte sich nicht und würde niemals zurückrudern. Ihm musste das Thema wichtig sein.
Aber wie konnte ein Testament, das für den absurden Fall, dass mir etwas passierte, Absicherung bieten sollte, ihm dermaßen wichtig sein?
Ein Schauer lief über meinen Rücken. Er baute sich langsam auf meinem Kopf auf, ließ die feinen Haare in meinem Nacken zu berge stehen und rieselte wie feiner Sand über meine Rückseite.
Ging Mathis davon aus, dass mir etwas passieren würde?
Draußen war es sommerlich heiß, trotzdem wurde mir plötzlich eiskalt.
Nein, ich steigerte mich in absurde Vorstellungen hinein. Oder?
Sein Handy vibrierte in der Innenseite seines Jacketts, was ich nur wusste, weil er plötzlich die Hand vor die Brust schlug, als wäre er kurz davor, einen Herzanfall zu bekommen. »Entschuldige«, murmelte er und holte das Telefon heraus.
Ich war mir sicher, dass er über die Unterbrechung froh war. Bisher hatte es zwischen uns keine großartigen Auseinandersetzungen gegeben, weshalb ich mir sicher war, dass Mathis nicht wusste, wie er damit umzugehen hatte.
Während er auf seinem Display tippte, betrachtete ich die blutrote Flüssigkeit im Glas vor mir.
Ich ließ meinen Blick durch das Restaurant schweifen. Es war der neueste Hotspot, Warteliste inklusive. An nahezu jedem Tisch schien ein Sommelier zu stehen und dort, wo sich keiner befand, waren die Gäste damit beschäftigt, Wein in ihren Gläsern kreisen zu lassen.
Früher einmal war es auch mein liebstes Thema gewesen. Ich konnte nicht einmal genau benennen, was sich verändert hatte. Selbst hier in dem Restaurant schien das Essen zweitrangig zu sein. Die Leute waren zu sehr vom Wein fasziniert.
Solange man nicht versuchte, über etwas Anderes zu reden, fiel es einem nicht auf. Nur hatte ich keine Lust mehr auf diese Oberflächlichkeit. Morgens, mittags, abends, beim Essen, beim Spazierengehen, vor dem Einschlafen – Wein, Wein, Wein.
Nach ein paar Versuchen, mit meinen Eltern über das Weltgeschehen oder mit Mathis über Politik zu sprechen, hatte ich aufgegeben. Selbst wenn ich ihnen einen Kommentar entlocken konnte, schwang das Gespräch innerhalb von wenigen Minuten zurück zum Wein.
Ihnen reichte dieses eine Thema vollkommen. Es gab ja genug zu besprechen: Die Wetterbedingungen, neue Rebsorten, die benachbarten Weingüter, Marketingmaßnahmen, die nächste Touristenwelle …
Es hörte nicht auf und ich wusste nicht, wie lange ich es noch ertragen würde. Seit Tagen trug ich mich mit dem Gedanken, dass ich rein gar nichts mit Mathis gemeinsam hatte – abgesehen von der Tatsache, wie sehr er für Wein lebte und meiner Familie zufällig das größte Weingut in der Gegend gehörte.
Seit ich die Idee in meinen Kopf bekommen hatte, konnte ich nicht aufhören, darüber nachzudenken. Er blühte nur auf, wenn es um sein Lieblingsthema ging. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass er nur eine Erektion zustande brachte, solange eine Flasche Wein sich im Raum befand. Sex hatten wir so selten, es war kaum der Rede wert. Meistens vermied Mathis es sogar, mich anzufassen.
Seit ich diesen merkwürdigen Vertragsentwurf gefunden hatte, war es mir erst richtig aufgefallen, wie merkwürdig alles war. Vermutlich war ich kurz davor, paranoid zu werden, aber was war, wenn Mathis mich nur ausgewählt hatte, weil ich eines Tages das Weingut meiner Eltern erben würde?
Er hatte mich in einer Bar angesprochen. Damals hatte ich ihn für selbstbewusst und zielstrebig gehalten, doch jetzt war ich mir nicht mehr sicher.
Anfangs war ich Feuer und Flamme gewesen. Mathis war groß und attraktiv. Abgesehen davon waren seine Hände riesig. Ich hatte mich unmittelbar in Fantasien ergangen, wie fest er mit besagten Händen wohl zupacken konnte. Mitten in der Bar hatte ich davon geträumt, mit ihm zu vögeln. Zerwühlte Bettlaken und verschwitzte Körper waren vor meinem inneren Auge vorbeigezogen. Zumal Mathis ein Hemd getragen hatte, das wie eine zweite Haut an ihm geklebt hatte. Es war offensichtlich gewesen, wie muskulös er war.
Doch es war nichts passiert. Nicht an diesem Abend und nicht am nächsten.
Bis zum dritten Date hatte ich nicht einmal einen Gutenachtkuss bekommen.
Es war peinlich genug, dass ich es gewesen war, die den Kuss initiiert hatte. Ich hatte gedacht, dass Mathis vielleicht eine Ermunterung oder einen Hinweis brauchte, da er der perfekte Gentleman war, der mir nicht zu nahe treten wollte. Als er mich geküsst hatte, ganz züchtig mit geschlossenen Lippen auf den Mund, hatte ich meine Hand ausgestreckt und flüchtig über seinen Schritt gestrichen. Mir war aufgefallen, dass er an dem Abend immer mal wieder meinen Ausschnitt begutachtet hatte, und hatte auf einen zumindest halbharten Schwanz spekuliert.
Ich hatte keine Erektion ertasten können und Mathis hatte getan, als wäre nichts passiert.
»Wo waren wir?«, fragte er, nachdem er das Handy wieder in seinem Jackett verstaut hatte.
Mit den Fingern nahm ich einen Crouton aus meinem Salat. »Warum haben wir nie Sex? Warum willst du mich nicht ficken?«
Mathis’ Gesicht wurde feuerrot. »Herrgott, Sadie, wie viel hast du getrunken?«
»Nicht annähernd genug.«
»Ich wünsche nicht, das hier zu diskutieren.« Er beugte sich näher zu mir und flüsterte: »Außerdem haben wir Sex.«
»Oh bitte! Das letzte Mal ist Wochen her.«
Seine Nasenlöcher blähten sich auf, als er tief Luft holte.
Ich streckte die Zunge aus, leckte in eindeutiger Weise über den Crouton und schob ihn zwischen meine Lippen.
Mathis wirkte unberührt, während ich über seine Schulter den Mann am Nachbartisch sehen konnte, der verstohlen in meine Richtung grinste. Wenigstens lag es also nicht an mir. Gut zu wissen.
»Was ist in dich gefahren?«, wollte er von mir wissen. Meine kleine Schauspieleinlage schien ihn völlig kalt zu lassen.
»Ich glaube einfach, das hier ist eine dumme Idee.«
»Du meinst das Restaurant? Sollen wir woanders hinfahren?« Er legte schon wieder den Kopf schräg und ich wollte ihn ohrfeigen.
Doch ich riss mich zusammen und deutete zwischen uns hin und her. »Nein. Ich meine uns. Wir sind keine gute Idee.« Damit stand ich auf und warf meine Serviette auf den unberührten Salat.
»Sadie, bitte«, sagte Mathis mit leiser Stimme, dabei klang er sehr eindringlich.
»Tu mir einen Gefallen, Mathis.«
»Ja?«
»Nenn mir meinen Lieblingswein.«
»Pinot Noir.«
Ich nickte. »Das stimmt. Und mein Lieblingsbuch?«
Er schwieg.
Mit einem Nicken stemmte ich die Hand in die Hüfte. »Kennst du mein Lieblingsessen? Weißt du, in welcher Stellung ich am liebsten ficke? Was sind meine Lieblingsblumen? Meine Lieblingsfarbe?«
Es war zu sehen, wie er mit den Zähnen knirschte. »Was soll das, Baby? Ist es, weil ich den Valentinstag vergessen habe?«
Ich starrte ihn an. »Valentinstag ist mehr als vier Monate her und du hast ihn nicht vergessen. Du hast mir sechs Flaschen Wein geschenkt.«
»Wo ist dann das Problem?«
Um nicht das ganze Restaurant an unserem Streit teilhaben zu lassen, beugte ich mich vor und flüsterte: »Sechs Orgasmen wären mir lieber gewesen.«. Dann richtete ich mich auf und verließ das Restaurant, ohne mich noch mal umzusehen.