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Es wird so oft bestaunt, wie produktiv ich bin, dass ich gern einmal den Autorenalltag mit Euch teilen würde. Denn immer, wenn jemand sagt, wie viel ich schreibe, seufze ich innerlich und denke mir: Ich wünschte, ich würde tatsächlich den Hauptteil der Zeit schreiben.

Aber vielleicht sollte ich das genauer beleuchten. Meine Leser/innen wollen gern mehr an meinem Alltag teilhaben? Hier kommt die schonungslose Langeweile!

Gestern (als exemplarischen Nicht-Schreiben-Tag) war ich schon um vier Uhr wach. Mir hat etwas Kopfzerbrechen bereitet, weshalb ich nicht mehr schlafen konnte. Ich habe mir zum Zeitvertreib auf Pinterest potenzielle Protagonisten angesehen und nach ein paar Namen gestöbert, bevor ich aus dem Bett gekrochen bin. Da an Konzentration nicht zu denken war, habe ich meine Mails gelesen und beantwortet, bevor ich mich an den Buchsatz zu den Taschenbuch-Sammelbänden gemacht habe. Natürlich brauche für diese Aufgaben auch Konzentration, aber nicht die gleiche wie fürs Schreiben.

Um neun Uhr war dann schon Ende mit der Ruhe, weil der Steuerberater mit einigen Fragen angerufen hat. Direkt nach dem Gespräch hatte ich ein paar Vertragsentwürfe und die ersten Hörbuchproben im virtuellen Briefkasten. Ich habe zwei Männer zur Auswahl und es ist gar nicht so leicht, sich zu entscheiden, wie man sich eigentlich die Stimme des Protagonisten vorgestellt hat.
Mit Unterbrechungen habe ich bis zum 11 Uhr Kaffee am Buchsatz gesessen, bis die nächste Mail eingetroffen ist – dieses Mal ein korrigiertes Manuskript.
Da ich sowieso für den Moment genug von InDesign (damit setzte ich die Taschenbücher) hatte, habe ich mich stattdessen dem Korrektorat gewidmet. Alle Änderungen wurden durchgesehen und die Anmerkungen abgearbeitet. Danach habe ich den Text ordentlich in das Programm kopiert, mit dem ich meine eBooks und die Printausgabe für Amazon erstelle. Als das Buch fertig war, habe ich ein paar nette Textstellen rausgesucht, um die Grafiken für Facebook vorzubereiten. Es dauert zwar noch eine Weile, bis das Buch erscheint, aber ich poste ja immer schon vorher kleine Teaser.

Dann klingelte das Telefon. Verwählt. Warum ich es trotzdem erzähle? Weil es andauernd passiert. Bis auf eine Stelle ist unsere Nummer identisch mit der eines (offensichtlich sehr beliebten) Geschäfts. Ich hatte schon Stern TV (stellt euch meinen Herzkasper vor) dran, Abgeordnete vom Landtag, etliche Menschen, die den Geschäftsführer sprechen wollen, und sehr viele alte Leute. Das lenkt natürlich ab – wo war ich? Ach ja, der Buchsatz.

Nein, Moment. Der Kontostand. Ich sehe nach und stelle fest, dass ich immer noch auf eine Zahlung warte, die lange (laaaaaaaaaange) überfällig ist. Um eine liebe Freundin zu zitieren: »Da krieg ich direkt Puls.«

Durchgeatmet und die E-Mail geschrieben, um dezent (gaaanz dezent) nachzufragen. Derweil höre ich, dass der Postbote kommt. Es ist mir ein Rätsel, wie dieser feingliedrige, kleine Mann es anstellt, aber er kommt mit einem stinknormalen Fahrrad, das allerdings klingt, als würde ein Panzer anrollen. Dann trampelt er die Treppe hoch, reißt die Briefkästen auf und trampelt/panzert davon. Das ist meistens mein Zeichen für eine kurze Pause, in der ich die Post holen gehe. Eine Rechnung von einem Dienstleister, der für mich arbeitet, ist im Briefkasten und ich überweise den Rechnungsbetrag. Dabei werde ich wieder daran erinnert, dass die Zahlung von XY noch nicht da ist. Ich krieg Puls.

Mittagessen. Wie spät ist es eigentlich? Leichte Panik bricht aus, weil ich in einer Dreiviertelstunde beim Arzt sein muss und natürlich noch in Schriftstellerkluft bin. Eigentlich könnte ich wahrscheinlich so rausgehen, aber mag ich nicht. Umziehen, dabei essen und einen Kaffee trinken. Schminken. Bürste durch die Haare ziehen. Müll rausbringen. Auto ausparken. Tetanus-Impfung aufgefrischt. Wenn ich schon draußen bin – das zweite Mal übrigens in 2018 (*hust*), kann ich eigentlich auch einkaufen gehen.
Ich schleife die Einkäufe nach Hause, freue mich über eine neue Sorte Gin zum Probieren und sehe, dass ich neue E-Mails habe. Sechs Stück. Sechs identische Mails von NameVonDerRedaktionGeändert. NameVonDerRedaktionGeändert haben ihren Server offensichtlich nicht unter Kontrolle, weil ich jeden Monat zwischen zwei und acht Abrechnungen von ihnen bekomme. Es ist allerdings eine Mail mit immer der gleichen Abrechnung. Ein Spaß. Ich lösche also das Duplikat und setze mich an den Schreibtisch, um mit dem Buchsatz weiterzumachen. In der Sekunde, in der mein Hintern das Sitzkissen berührt, klingelt es an der Tür. Der Paketbote strahlt mich an. Natürlich schwatzt er mir ein Paket für die Nachbarn auf.
Knackpunkt: Ich bin ein Misanthrop und habe das perfekte Haus voller gleichgesinnter Misanthropen gefunden. Wir nicken uns freundlich zu und das war es. Keiner hier hat ein Namensschild an der Klingel, weshalb ich natürlich nicht weiß, wo ich das Paket hinstellen muss. Umgekehrt wird der Nachbar ja allerdings auch nicht wissen, wo er klingeln soll. Glücklicherweise habe ich bisher alle Nachbarn in der Tiefgarage kennengelernt. Ich frage also meinen Mann, welches Auto NameNachbar fährt. Er sagt, den weißen Audi. Ich erinnere mich, dass der weiße Audi in Parklücke 2 steht und stelle das Paket vor Haustür 2. Großartig. Das ist genau mein Level von sozialen Aktivitäten.

Inzwischen habe ich die Nase voll von den ständigen Unterbrechungen und verziehe mich mit dem Abendessen auf die Couch. Wir schauen gerade noch einmal »How I met your mother« und ziehen uns vier oder fünf Folgen rein, bevor ich in die Badewanne gehe.
Während ich dort dümpel, fällt mir ein, dass ich a.) noch immer keine Entscheidung in Bezug auf einen weiteren Blogroman getroffen habe, b.) eigentlich Sport machen wollte, und c.) ich am nächsten Tag wieder nicht werde schreiben können. Ich spiele kurz mit dem Gedanken, mich zu ertränken, gehe dann aber doch einfach ins Bett und träume von meiner Tastatur und leeren Seiten in Pages.

4 Comments

  1. Zu geil! Danke für den Einblick….
    Es ist bestimmt witzig, bei dir im Haus nach einer bestimmten Wohnung zu schauen…so ohne Namensschild. Naja, so kann man natürlich auch neue Bekanntschaften machen. 😜
    Du bist erst zum zweiten Mal in diesem Jahr rausgegangen??? Ahhh…macht der Mann bei euch die Einkäufe und Besorgungen? Gin ist also dein Aufputschmittel der Wahl? Cool!
    Falls es dich tröstet, ich wollte in diesem Jahr auch schon drei Mal zum Sport und hab es irgendwie noch nicht geschafft… 🤗

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    1. Ich arbeite halt zu Hause. Außerdem war das erste Mal Rausgehen auch zum Einkaufen. Ein großer Kühlschrank hilft. 😀

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  2. Danke für die kleine Aufmunterung im tristen Alltag! 🙂
    Sport wird überbewertet btw.
    Ich war dieses Jahr schon 5 Mal im Sportstudio, habe es aber nur ein einziges Mal an den Kaffeeautomaten vorbei zur Trainingsfläche geschafft. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben warum man bequeme Sessel und köstlichen Gratis-Kaffee zwischen Tür und Training stellt und es tatsächlich Leute gibt die dort regelmäßig Sport treiben können. 😉

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    1. Eigentlich mache ich ganz gern Sport – vor allem, weil mein Weg zur Arbeit/zum Arbeitskollegen/etc. nicht vorhanden ist und ich sonst wirklich die ganze Zeit sitze. Gestern war es schlicht die Zeitfrage. Aber das mit dem Kafffeeautomaten ist echt fies. 😀

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