All Those Ugly Lies – Teil 31

Sadie

Ich presste die Hände auf die Ohren. »Seid ruhig! Seid einfach beide ruhig! Das hält ja kein Mensch aus.«
Murphy und Jack hatten die letzte Viertelstunde damit zugebracht, zu debattieren und diskutieren, bis es in einen handfesten Streit ausgeartet war – wie zwei alte Waschweiber.
Murphy drehte Jack demonstrativ den Rücken zu und verschränkte die Arme. »Ich habe ohnehin nichts mehr zu sagen.«
»Würdet ihr mich jetzt endlich losbinden? Ich fühle meine Hände nicht mehr.« Jack warf mir einen einschmeichelnden Blick zu.
»Ich weiß nicht, ob ich dir trauen kann«, gestand ich zögerlich. »Murphy?«
Er gab ein Brummen von sich. »Mach ihn los. Notfalls erschieße ich ihn eben und nehme es auf meine Kappe.«
»Meine Kollegen würden dich auseinandernehmen«, ließ Jack ihn wissen.
»Ach ja? Seit wann ist die Meinung der örtlichen Cops wichtiger als die vom FBI?«
Ich spürte, wie mein Mund aufklappte. »Du arbeitest fürs FBI?«
Murphy grinste und zog seinen Ausweis hervor. »Special Agent Matthew Graham, genannt Murphy. Angenehm.«
Jack hustete, aber es klang verdächtig nach »Angeber«.
Ich massierte mit beiden Händen meine Schläfen. »Grundgütiger. Ein Cop, ein FBI-Agent und ein Serienkiller treffen sich in einem Diner. Das klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes – und ihr wisst alle, dass ich jemanden umgebracht habe. Großartig. Ganz großartig.« Ich ging zum Stuhl und befreite Jack vom Klebeband, bevor ich ihm seine Waffe wiedergab.
Als es kurz darauf im Türschloss knirschte, zielten sowohl Jack als auch Murphy auf die Tür.
Palmer hob lediglich eine Augenbraue. »Habt ihr mich vermisst?«
Ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen, so froh war ich über seine Rückkehr. »Ja.«
»Nein.« Jack schüttelte den Kopf und steckte seine Waffe ein.
Murphy grinste. »Ein bisschen.«
Palmer musterte Jack und wandte sich dann an mich. »Warum ist er frei?«
»Weil ich euer Freund bin und keine Bedrohung.« Jack warf beide Hände in die Luft. »Wie oft muss ich das noch sagen?«
»Vielleicht sollte es dir zu denken geben, dass niemand mit dir befreundet sein will.« Palmer zeigte Jack den Mittelfinger.
»Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich nichts gemerkt habe«, klagte Jack. »Selbst Murphy wusste Bescheid.«
»Was heißt denn hier ›selbst Murphy‹? Ich bin eben viel umgänglicher als ihr beiden Killermaschinen.« Murphy vergewisserte sich, dass der Verband an seinem Finger richtig saß, bevor er Palmer fragte: »Willst du gar nicht wissen, was passiert ist?«
»Nein. Ich will nicht einmal wissen, warum du überhaupt hier bist.« Palmer öffnete die Bungalowtür. »Ihr dürft jetzt beide gehen. Wir sehen uns Dienstag im Diner.«
»Sage ich doch.« Jack wirkte, als würde er gleich explodieren. »Es ist unser offizieller Treffpunkt. Wenn ihr mich nicht dabei haben wollen würdet, könntet ihr euch einfach woanders treffen. Was ist mit dir, Sadie? Magst du mich wenigstens?«
»Äh …« Ich machte einen Schritt nach hinten, als er die Hand ausstreckte, um mich am Arm zu berühren.
»Fass sie an und ich bringe dich doch um«, knurrte Palmer.
»Ruhig Blut, Kumpel, ich wollte nur ein wenig flirten.« Jack zwinkerte mir zu.
Dann erstarrte er, weil wir alle deutlich hörten, wie Palmer seine Waffe durchlud. »Mit Sadie wird nicht geflirtet.«
»Wow«, formte Jack mit den Lippe, ehe er sich zu Palmer umdrehte. »Du bist verliebt.«
»Das sage ich schon seit Wochen.« Murphy wirkte zufrieden.
Palmer deutete auf die Tür. »Raus!«
»Auf Wiedersehen. Ich wollte zufällig gerade gehen.« Jack hob die Hand zum Gruß und kam Palmers Aufforderung nach.
Murphy hingegen blieb auf der Türschwelle stehen stehen. »Willst du wirklich nicht wissen, was passiert ist?«
»Nein. Verschwinde. Ich muss mit Sadie reden.« Mit diesen Worten warf er die Tür ins Schloss.
Mein Herz klopfte wie wild, als er sich zu mir drehte. »Also ich habe dich vermisst.«
Palmer lächelte und kam auf mich zu. »Das freut mich zu hören.«
Ich schlang die Arme um seinen Nacken. »Wie hat Dad sich entschieden?«
»Argentinien.« Er küsste mich.
»Okay. Dann muss ich es morgen nur noch Mum beibringen.« Ich spürte, wie Erleichterung sich in mir breitmachte.
Palmer gab mir einen weiteren Kuss, bevor er sich umdrehte und zurück zur Tür ging.
Mein Magen verkrampfte sich, da ich für einen kurzen Moment dachte, er würde gehen. Stattdessen schloss er ab. Sein Lächeln schickte einen Schauer über meinen Rücken.
»Dich kann man keine zwei Minuten allein lassen, ohne dass andere Männer um dich herumschwirren.« Seine Miene hatte sich verfinstert, aber ich sah das hungrige Funkeln in seinen Augen.
»Ich habe nichts gemacht.«
Mit drei schnellen Schritten war Palmer bei mir und hob mich hoch. »Du hättest Jack gefesselt lassen können, allerdings bist du ganz offensichtlich schwach geworden. Ist er etwa doch dein Typ?« Er trug mich zum Schlafzimmer.
»Nein. Und Murphy hat gesagt, dass wir ihm trauen können. Außerdem beschäftigt mich eine ganz andere Frage.«
Palmer reagierte nicht.
Ich bohrte ihm den Zeigefinger in die Brust. »Haben die beiden recht?«
»Womit?«
»Bist du in mich verliebt?« Palmer packte mich fester, eine deutliche Warnung. Doch ich ließ nicht locker. »Komm schon. Gib mir eine Antwort.«
»Kannst du dich erinnern, was ich ganz am Anfang gesagt habe, was ich mehr als alles andere hasse?«
»Zu viele Fragen.«
»Richtig. Wie es aussieht, hast du nicht dazu gelernt und ich muss dein Gedächtnis auffrischen.« Er ließ mich aufs Bett fallen.
Bevor ich nur den Hauch einer Chance hatte, zu flüchten, packte er meinen Knöchel und zog mich zu sich. Seine eisblauen Augen hielten mich gefangen. »Wohin willst du, böses Mädchen?«