All Those Ugly Lies – Teil 26

Palmer

»Das ist Ihr Schlüssel. Am besten parken Sie direkt hinter Uhrem Bungalow auf der gekiesten Fläche. Normalerweise ist hier nicht so viel los, aber dieses Wochenende wird das Finale You Want To Be A Chef? aufgezeichnet. Das Eadric-Weingut fühlt sich geehrt, die Location dafür zu stellen. Möchten Sie einen Platz im Publikum reservieren?« Die Rezeptionistin lächelte mich an.
»Klingt toll.« Ich nickte.
»Es gibt zwei Termine, das Halbfinale heute um 17.00 Uhr oder das Finale am Sonntag um 14.00 Uhr.«
»Wenn ich die Wahl habe, nehme ich natürlich das Finale. Wann bekommt man schon eine solche Gelegenheit? Werden Sie es sich auch ansehen?«
Sie strahlte. »Ja. Ich kann es kaum erwarten. Mein Favorit ist Lochlan Wilson.«
»Bisher habe ich nur Gutes über ihn gehört.« Das war eine glatte Lüge. Ich kannte weder die Kochshow, von der sie sprach, noch den Koch, dessen Fan sie offensichtlich war. Mit einem Ohr lauschte ich, bis sie ihre Lobpreisung beendet und mir den Weg zum Bungalow erklärt hatte.
Gerade, als ich den Eingangsbereich verlassen wollte, kam eine Frau mit Headset und Klemmbrett herein. Sie wurde von einem Kamera-Mann und Sadies Vater begleitet. Er wirkte über alle Maße gestresst. Ich blieb stehen, um ihn zu mustern. Worauf beruhte sein Stress wohl? War es die große Veranstaltung auf seinem Weingut oder die Rückkehr seiner Tochter, die er lieber tot sehen wollte?
Er bemerkte mich nicht und selbst wenn er meine Gegenwart zur Kenntnis genommen hatte, wäre ich für ihn nur ein weiterer Tourist gewesen. Sadies Vater hatte nicht die geringste Ahnung, dass er in meinen Augen eine Zielscheibe auf seiner Stirn trug.
Ich wandte mich ab und ging zum Auto, damit ich den Wagen umparken konnte, wie die Rezeptionistin es mir geraten hatte.
Nachdem ich die Eingangstür aufgeschlossen hatte, schaute ich mich in dem Bungalow um. Die Einrichtung war simpel, aber hochwertig. Ich schloss die Tür hinter mir und ging direkt durch ins Schlafzimmer. Dort stellte ich meine Tasche aufs Bett und öffnete sie. Insgesamt hatte ich zwei Pistolen und vier Messer dabei, die ich an strategisch günstigen Stellen in dem Bungalow versteckte, um schnellen Zugriff darauf zu haben.
Von der Küche aus führte eine Tür hinters Haus. Ich trat nach draußen, musterte die Umgebung und entdeckte die großen Mülltonnen an der Seite. Sie waren stabil genug, dass ich sie als Stütze benutzen wollte, wenn ich aufs Dach wollte. Zwar hatte ich kein Scharfschützengewehr dabei, aber ich hielt mir gern alle Optionen offen.
Dann ging ich wieder hinein. Die Fenster ließen sich leicht öffnen, es gab zwei Ausgänge und keine großen Überraschungen. Ich war zufrieden, weil ich das Gefühl hatte, alles im Griff zu haben. Wunderbar.
Jetzt hatte ich nur noch einen Programmpunkt, um den ich mich kümmern musste. Ich ging ins Schlafzimmer, räumte meine Tasche aus und stellte sie unten in den Kleiderschrank. Ich nahm die Cap und den schwarzen Kapuzenpullover. Die langen Ärmel würden die verräterischen Tattoos verstecken, während die Cap den Großteil meines Gesichts verbarg, sobald ich nach unten schaute.
Für meinen Plan war es nicht schlecht, dass auf dem Eadric-Weingut dieses Wochenende viel Betrieb herrschte, denn ich würde weniger auffallen. Da ich ohnehin bewaffnet war, ließ ich die übrigen Messer und Pistolen in ihren Verstecken und machte mich auf den Weg zum Bungalow mit der Nummer 13.
Sadie hatte mir erklärt, wie ich dort ungesehen hinkam. Ich zog die Cap tiefer in meine Stirn und blickte mich ein letztes Mal um, bevor ich an ihre Tür klopfte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich Schritte hörte.
Sadie öffnete mir und blinzelte zu mir hoch. »Was machst du denn hier?«
»Ich kann mich wirklich nur ganz schlecht an Regeln halten.«
»Komm rein, ehe dich jemand sieht.« Sie seufzte und trat zur Seite. »Das war nicht unsere Abmachung. Wir hatten vier oder fünf Tage gesagt.«
»Du hast das gesagt«, stellte ich klar. »Ich habe dir lediglich nicht widersprochen.«
»Palmer! Ich bin erst seit gestern wieder hier. Was soll ich deiner Meinung nach in der Zeit herausgefunden haben?«
»Nicht viel vermutlich.« Ich trat einen Schritt näher.
»Richtig. Was willst du also?«
»Auf dich aufpassen.«
Sie rümpfte die Nase. »Ich dachte, dafür sollte ich den Hammer benutzen.«
»Ich bin sehr viel praktischer als ein Hammer.«
Sadie kämpfte gegen ihr Lächeln an. »Eigentlich kann ich ganz gut auf mich selbst aufpassen.«
»Vier Augen sehen mehr als zwei.« Ich strich ihre Haare über die Schulter nach hinten, dann umfasste ich ihr Kinn, damit sie den Kopf drehte. »Wie geht’s deinen Verletzungen?«
»Gut. Ich freue mich schon darauf, wenn du mir neue zufügst.«
Ich zog eine Grimasse. »Ich hoffe doch sehr, dass ich dir nie wieder ins Gesicht schlagen muss.«
»Du bist so niedlich, du eiskalter Killer, du.« Sie grinste und tippte mir gegen die Nasenspitze.
»Mach dich ruhig über mich lustig. Wenigstens habe ich überhaupt moralische Integrität.«
»Lehn dich lieber nicht zu weit aus dem Fenster.«
Ich zuckte mit den Achseln. »Jedes Wort ist wahr.«
»Weißt du was? Ich glaube, du hast mich vermisst und bist deswegen früher gekommen.«
»Vielleicht.«
Sadies Mundwinkel zuckten. »Vielleicht? Wir machen echte Fortschritte.«
Ich lächelte, packte ihre Hüften und zog sie zu mir. »Ist das so?«
Sadie schlang die Arme um meinen Nacken. »Ja.«
Gerade, als ich den Kopf senken wollte, um sie zu küssen, klopfte es an ihrer Tür. »Erwartest du Besuch?«
»Nein. Am besten versteckst du dich in der Küche.«
Widerwillig ließ ich sie los und bezog hinter der Küchentür Stellung. Aus purer Gewohnheit holte ich mein Messer aus dem Halfter am Knöchel. Es war eigentlich zu spät für Besuch und wenn es nicht ihre Eltern waren, die sich erkundigen wollten, wie es ihr ging, wollte ich bereit sein.
»Detective Halverston«, sagte Sadie so laut, dass ich sie hören konnte.
Ich fluchte. Natürlich musste der Idiot jetzt auftauchen. Ich lehnte mich näher zur Tür, um lauschen zu können.
»Ich habe noch ein paar Fragen, Sadie – wenn es nicht zu spät ist.«
»Ganz und gar nicht, kommen Sie rein, Jack.«
Das war mein Stichwort, zu verschwinden, aber ich brachte es kaum über mich. Es widerstrebte mir zutiefst, Sadie mit Halverston allein zu lassen. Gleichzeitig wollte ich keinen Ärger mit ihm provozieren, nachdem ich ihn drei Monate lang angelogen hatte. Andererseits wusste ich auch, dass er nicht dumm genug war, Sadie in ihrem eigenen Haus etwas anzutun. Er war in seiner Lieblingsrolle als Polizist hier. Ich würde Sadie vertrauen müssen. Mit etwas Glück konnte ich vom Dach meines Bungalows ihr Wohnzimmerfenster einsehen und konnte so beide im Auge behalten.
Ein letztes Mal spähte ich durch den Spalt zwischen Tür und Rahmen. Halverston und Sadie hatte auf dem Sofa platz genommen. Ich seufzte leise, bevor ich durch die Hintertür nach draußen schlich.