All those ugly lies – Teil 13

Sadie

Ich war wieder Herr über meinen Körper – beinahe zumindest, denn an der straffen Fesselung hatte sich nichts geändert. Zwar konnte ich meine Finger bewegen und mit den Zehen wackeln, doch ich war ebenso hilflos wie vorher.
Das Verlangen, das Palmer auf teuflische Weise in mir ausgelöst hatte, ebbte nur langsam ab. Ich versuchte, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, doch ich hatte nicht gerade viele Möglichkeiten. Die Wände waren weiß und kein Bild war zu sehen, die Decke war ebenfalls weiß. Es gab zwei Türen, eine nach draußen und eine ins Badezimmer – zumindest nahm ich das an.
Dazwischen stand ein schlichter weißer Schrank mit einer Tür auf der einen Seite und mehreren Schubladen auf der anderen.
Mein Unterleib pulsierte und erinnerte mich daran, wie unfair Palmer sich verhalten hatte. Vermutlich würde es ihm große Freude bereiten, wenn er mich jetzt sehen könnte. Ich war noch immer nass und zusätzlich lief Speichel über meine Wange, weil der verdammte Knebel mir keine andere Wahl ließ, als zu sabbern.
Trotzdem wusste ich nicht, ob ich Palmer zum Teufel wünschte, oder wollte, dass er zurückkam.
Ich musste eingedöst sein, denn als eine Hand mich berührte, schreckte ich hoch.
Palmer saß auf der Bettkante und streckte die Finger aus, um über meine Unterlippe zu streichen. »Wie geht es dir?«
Sehr amüsant, dachte ich und kniff die Augen zusammen. Es war die einzige Möglichkeit, ihm meinen Unmut wortlos mitzuteilen.
Er lachte. »Genauso störrisch wie vorher – keine große Überraschung. Schade. Ich hätte dich nur zu gern losgemacht, aber wenn du nicht kooperieren willst …«
Mein Herz pochte, weil er tatsächlich aufstand. Panisch schüttelte ich den Kopf. Palmer blieb stehen und sah auf mich hinab. »Was soll das heißen? Möchtest du damit betonen, dass du nicht kooperieren willst.«
»Nein«, nuschelte ich hinter dem Knebel. Es wurde lediglich ein unverständlicher Laut.
Er verschränkte die Arme. »Ich habe einen Vorschlag. Um dir wenigstens eine Chance zu geben, löse ich den Knebel und wenn mir gefällt, was du zu sagen hast, binde ich dich vielleicht los.«
Ich nickte hastig.
Er kam wieder zu mir und öffnete die Schnalle an meinem Hinterkopf. In diesem Moment wurde mir erst bewusst, wie anstrengend die Haltung gewesen war. Ich atmete tief ein und leckte über meine wunden Mundwinkel. Vielleicht hätte ich weniger versuchen sollen, denn Knebel mit der Zunge herauszudrücken, dann hätte es wahrscheinlich nicht so gescheuert.
»Ich höre, Sadie.«
Mir fielen auf Anhieb drei Dutzend Schimpfworte in zwei Sprachen ein. Doch ich war clever genug, sie für mich zu behalten. Ich räusperte mich, weil mein Hals kratzte. »Du bist der Boss. Du bist nicht nett und ich nicht dein Gast. Du kannst mir nicht vertrauen und musst mich nicht gut behandeln.«
Palmer legte den Kopf schräg. »Und?«
Dieser Mistkerl zwang mich wirklich, es auszusprechen. »Und ich sollte dich nicht anlügen.«
Mein Magen zog sich auf die Größe eines Staubkorns zusammen, als Palmer sich über mich beugte. Doch zu meinem Erstaunen machte er sich daran, die Knoten zu lösen, die mich aufs Bett gepinnt hielten.
»Besser. Noch nicht perfekt, aber besser.«
Nachdem er mich losgebunden hatte, setzte ich mich aufrecht hin und massierte meine Gelenke.
Er beobachtete mich eine Weile, bevor er eine Flasche Wasser vom Boden neben dem Bett hervorzauberte. »Du solltest deinen Flüssigkeitshaushalt ausgleichen.« Dabei musterte er meine Wange.
Ich spürte, wie das Blut vor Verlegenheit in meinen Kopf schoss. Arschloch, dachte ich und griff nach dem Bettlaken. Nachdem ich meinen Mund und die Wange abgewischt hatte, wollte ich mich darin einwickeln, um mich nicht mehr so nackt zu fühlen.
Mit einem Ruck riss er mir das Laken aus den Fingern. »Habe ich etwas davon gesagt, dass du dich bedecken sollst?«
Ich wich seinem forschenden Blick aus.
Palmer hielt mir die Flasche hin. »Trink.«
»Du zuerst.«
»Was?« Er zog eine Augenbraue hoch.
»Ich will nur sichergehen, dass du mir nicht schon wieder Drogen gibst.«
»Du hast um die zweite Dosis gebeten, wenn ich dich daran erinnern dürfte. Warum sollte ich mir die Mühe machen, Wasser mit Medikamenten zu versetzen? Du warst bis gerade gefesselt. Wenn ich dir eine weitere Spritze hätte geben oder dich hätte verletzen wollen, hättest du dich nicht wehren können.«
Da hatte er recht. Trotzdem griff ich eher zögerlich nach der Flasche. Im letzten Moment nahm er sie aus meiner Reichweite. »Was soll’s. Ich kann nicht glauben, dass ich das wirklich tue.« Er drehte die Flasche auf und trank einen Schluck. »Siehst du? Alles in bester Ordnung.«
Dieses Mal griff ich direkt damit und setzte die Flasche an meine Lippen. Ich wusste nicht, wann sich Wasser zuletzt so köstlich geschmeckt hatte.
Palmer stand auf und öffnete die Schranktür, dann warf er mir ein weißes Shirt zu. »Hier, das kannst du anziehen. Komm mit.«
»Wohin?« Panik färbte meine Stimme.
»Warum hast du plötzlich so viel Angst vor mir? Erst hast du mich um Hilfe angefleht und jetzt traust du mir nicht mehr?«
Ich fuhr mir mit beiden Händen durchs Haar. »Du bist unberechenbar. Woher weiß ich, dass du mich jetzt nicht zurück in deinen Todessalon bringst und in Stücke schneidest?«
»Todessalon?« Er lächelte. »Das gefällt mir.«
»Ich meine es ernst.«
»Solange du tust, was ich will, hast du mein Wort, dass ich dich nicht umbringe.«
Ein eiserner Ring lag um meine Rippen und mit jeder Sekunde schien er enger zu werden. »Und was ist, wenn ich nicht mache, was du willst?« Meine Finger gruben sich in den Stoff des Shirts.
»Ich habe meine Methoden, dich dazu zu bringen, zu tun, was ich will.« Mehr sagte er nicht dazu.
Mir war nicht ganz klar, ob ich überhaupt mehr wissen wollte.
Palmer setzte sich auf die Bettkante und legte einen Finger unter mein Kinn. »Erzähl mir von dir.«
»Was?«
»Wie bist du hier gelandet?«
Ich zuckte mit den Achseln. »Du warst dabei.«
»Das meine ich nicht. Wie bist du an Mathis geraten? Er ist wohl kaum der Typ Mann gewesen, der dir gewachsen ist.«
Die Intensität seiner Augen nahm mein ganzes Bewusstsein ein. Ich konnte an nicht anderes denken als wie dringend ich den Blick abwenden wollte, doch ich konnte nicht. Palmer hatte eine geradezu hypnotische Wirkung auf mich.
»Zu der Zeit wirkte er wie die passende Wahl.«
Palmer schnalzte mit der Zunge. »Du gibst es also zu?«
»Ich gebe überhaupt nichts zu. Ehrlich gesagt bin ich dir keine Erklärung schuldig.«
»Dann beantworte mir eine andere Frage: Wann hat Mathis dich das letzte Mal gefickt?«
Mein Atem stockte. »Welche Rolle spielt das?«
»Ich versuche nur zu ergründen, ob es an mir lag oder ob du einfach nur vollkommen ausgehungert warst.«
Dieser Bastard! Bevor mir klar wurde, was ich tat, holte ich bereits aus, um ihn zu ohrfeigen.
Ich hatte nicht einmal die Chance, ihn zu erwischen. Er fing meinen Arm in der Luft ab und verdrehte ihn schmerzhaft. Ehe ich mich versah, lag ich auf dem Rücken unter ihm und wagte nicht, mich zu bewegen.
Palmers Gewicht ruhte auf seinem Knie, das er völlig selbstverständlich zwischen meine Schenkel geschoben hatte. »So viel Angst kannst du gar nicht haben, kleine Wildkatze.«
Warum fiel ich nur ständig wieder auf seine Tricks herein? Es machte ihm offensichtlich viel Spaß, mit mir zu spielen. Nur leider kannte ich die Spielregeln nicht.
Palmer zwang meinen Arm höher, bis ich wimmerte, und erklärte: »Du hast meine Frage übrigens nicht beantwortet.«
»Es ist eine Weile her. Du brauchst dir also nichts einzubilden.«
Er verringerte den Druck auf meinen Arm, bis ich ihn hervorziehen konnte. Doch ich hatte mich geirrt, als ich dachte, er würde mich loslassen. Stattdessen packte er mein anderes Handgelenk und führte meine Hände über meinem Kopf zusammen. Er brauchte nur eine Hand, um mich unten zu halten. Mit der anderen fuhr er die Rundungen meiner Brüste nach. »Warum ist es eine Weile her?«
»Ich weiß nicht, was für eine Rolle … Au!«, rief ich empört, da er ohne Vorwarnung in meinen Nippel gekniffen hatte. Weiß glühender Schmerz rollte in Wellen durch meinen Körper.
»Möchtest du das noch einmal versuchen?«

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