All those ugly lies – Teil 8

Palmer

Sadie faszinierte mich. Sie wich weder vor mir zurück noch versetzte sie mir die Ohrfeige, mit der ich gerechnet hatte. Stattdessen straffte sie die Schultern und ballte die Fäuste. »Heißt das, du hilfst mir?«
Ich starrte lange auf ihren verlockenden Mund. Die Contra-Punkte auf meiner Liste überwogen die positiven Aspekte bei weitem. Trotzdem ahnte ich bereits, dass ich nachgeben würde. Sadie war einzigartig und ich brannte darauf, herauszufinden, was nötig war, um sie zu brechen.
Mein Blick wanderte zu der Leiche. Ich konnte nicht leugnen, wie aufregend ich die Entwicklungen des heutigen Tages fand.
Gerade, als Sadies Ungeduld spürbar wurde, nickte ich. »Okay. Zieh dich aus.«
»Was?« Sie blinzelte. »Hast du den Verstand verloren? Ich werde jetzt bestimmt nicht hier mit dir Sex haben.«
»Das war auch nicht meine Absicht – und wie ich schon gesagt habe: Ich würde nicht fragen. Aber nein, ich verspüre kein Verlangen, dich direkt neben einer Leiche zu ficken. Du sollst dich ausziehen und das Blut in der Dusche abwaschen. So lasse ich dich nämlich nicht in mein Auto. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um eventuelle Spuren.«
Sie wurde rot. »Oh.«
»Keine Sorge«, versicherte ich ihr. »Es ist schön zu wissen, dass du schon an nichts anderes mehr denken kannst als Sex mit mir.«
Die Lippen fest aufeinandergepresst drehte sie sich um.
»Wo willst du hin?«
Sie zögerte. »Ins Bad.«
»Ich brauche deine blutige Kleidung.«
Sadie wandte sich wieder zu mir und forschte in meinem Gesicht nach meinen Absichten.
Zugegebenermaßen hätte es gereicht, wenn ich mir die Sachen aus dem Bad geholt hätte, sobald sie unter der Dusche stand. Aber wo wäre da mein persönliches Vergnügen geblieben?
Ich wollte einen Vorgeschmack auf Sadie, nachdem ich bereits wusste, wie sie sich anfühlte und wie ihr Mund schmeckte.
Mit einem Seufzen gehorchte sie, was dafür sorgte, dass mein Schwanz sich wieder regte. Unter dem langweiligen dunkelblauen Rock und der puderfarbenen Bluse trug Sadie erstaunlich aufreizende Wäsche. Die knapp geschnittene schwarze Spitze betonte die richtigen Stellen und war mit vielen Bänden verziert, die kreuz und quer über ihren Körper liefen. Sie wirkte wie ein Weihnachtsgeschenk und ich wollte nichts lieber, als sie auszupacken.
»Ich nehme nicht an, dass du dich umdrehen wirst?«
Mein Grinsen vertiefte sich. »Ich denke nicht einmal daran.«
In ihren Augen flackerte Wut, als sie hinter ihren Rücken griff und den BH öffnete. Noch während sie ihn von den Schultern rutschten ließ, beugte sie sich vor, um den Slip abzustreifen.
»Zufrieden?«
Ich ließ meinen Blick über sie wandern. »Sehr.«
Sie schnaubte geräuschvoll, drehte sich um und ging ins Bad.
»Pass auf, dass du nicht ins Blut trittst.« Dabei starrte ich ihr auf den nackten Po.
Ohne mir zu antworten, zeigte sie mir über die Schulter ihren Mittelfinger. Ich schüttelte den Kopf, weil Sadie mir wirklich gefiel.
Ich wartete, bis sie das Wasser aufgedreht hatte, dann machte ich mich an die Arbeit. In meinem Kofferraum hatte ich Plastiktüten, Handschuhe und Reinigungsmittel.
Ich nahm die blutige Messer und die schmutzige Kleidung direkt mit, nur Sadies Rock und einen Schuh ließ ich liegen. Als ich mit den Handschuhen zurück war, nahm ich den Rock und ging zum Bett. Ich hatte gesehen, dass der Rahmen an einer Stelle beschädigt war. Das gesplitterte Holz eignete sich hervorragend, um ihren Rock zu zerreißen. Ein paar Fäden blieben hängen. Es sah nun aus, als wäre Sadie vom Bett gezerrt worden.
Ich schlug ihren Schuh auf den Boden, bis der Absatz abbrach und ließ beides liegen. Nachdem ich eine Nachttischlampe umgeworfen hatte, zerwühlte ich das Bett und wischte alles ab, was ich angefasst hatte.
Ein letztes Mal vergewisserte ich mich, dass ich das Messer mit Sadies Fingerabdrücken sicher verstaut hatte, um ein eventuelles Druckmittel gegen sie in der Hand zu haben. Ich öffnete die schwarze Reisetasche auf dem Rücksitz und holte mein Ersatzshirt heraus.
Anstandshalber musste ich Sadie etwas zum Anziehen geben. Sonst würde sie Fragen stellen, deren Antworten ihr nicht gefallen würden, wie zum Beispiel: Wie soll ich nackt in deinem Auto mitfahren?
Ich konnte ihr nicht sagen, dass sie in den Kofferraum kommen würde. Schon allein nicht, weil meine Geduld für heute erschöpft war. Ich wollte nicht mehr diskutieren.
Sadie kam in ein Handtuch gewickelt aus dem Bad. Ich warf ihr das Shirt entgegen. »Zieh das an und häng das Handtuch im Bad auf.«
Dieses Mal gehorchte sie direkt und ich beugte mich über Fourniers Leiche. Sadie hatte sein Handy in die Blutlache neben seinem Körper fallenlassen. Ich musste vorsichtig sein, um die Textnachricht ihres Vaters löschen zu können, ohne dabei blutige Spuren zu hinterlassen.
»Was machst du da?«
»Wenn du denkst, dass deine Familie dahintersteckt, sollten sie nach Möglichkeit nicht erfahren, dass du es weißt, oder?«
»Vermutlich.« Sie zuckte mit den Achseln und wandte den Blick ab. Zum ersten Mal bemerkte ich, dass sie mit den Tränen kämpfte. Vermutlich hatte unter der Dusche das Adrenalin nachgelassen und der darauf folgende Crash stand ihr kurz bevor.
»Sollen wir?«, fragte ich und deutete auf die Tür.
Sadie ging an mir vorbei, der Saum des Shirts umspielte ihre cremigen Schenkel. In der letzten Sekunde packte ich ihren Oberarm. Ich zog sie zu mir, hielt sie fest und küsste sie. Dieses Mal öffnete sie noch williger die Lippen und hieß meine Zunge willkommen.
Es fiel mir überraschend schwer, mich wieder von ihr zu lösen. Sie war einfach zu verführerisch, wie sie willig in meinen Armen lag und mich atemlos unter den halb geschlossenen Lidern hervor anschaute.
»Du weißt, dass ich dir nicht vertrauen kann, richtig?«
Sadie leckte über ihre Unterlippe und es kam einer Einladung gleich. »Noch nicht«, sagte sie mit rauer Stimme.
»Noch nicht.« Ich nickte. »Deswegen hoffe ich, dass du Verständnis für mich hast.«
Ihre Augen wurden groß, als sie den Einstich im Nacken spürte. »Warum?« Es war nicht mehr als ein Flüstern.
»Wie schon gesagt: Ich traue dir nicht.«
Vermutlich hatte sie meine Antwort längst nicht mehr gehört, denn sie sackte zusammen. Ich hob sie hoch und trug sie zum Auto. Obwohl ich nach all den Jahren genau wusste, wie lange meine Betäubungsmittel wirkten, fesselte ich ihre Hände und Füße aus Gewohnheit mit Kabelbindern, die ich immer griffbereit im Kofferraum hatte.
Sadie sah hübsch aus, wie sie in meinem Shirt dort lag. Dann warf ich die Kofferraumklappe in Schloss und ging ein letztes Mal in Hotelzimmer.
Es sah genauso aus, wie ich es beabsichtigt hatte. Meine blutigen Schuhspuren führten von der Leiche zum Bett und von dort aus zur Tür. Sadies Rock zerrissener Rock lag auf dem Boden, zusammen mit dem abgebrochenen Absatz ihres Schuhs.
Das Bild, das sich bot, konnte nur auf eine Weise interpretiert werden: Sadie war mit ihrem Verlobten in dem Zimmer gewesen. Vielleicht hatten sie sich geküsst, vielleicht hatten sie bereits auf dem Bett gelegen, als der Angreifer hereingekommen war. Nachdem er Fournier getötet hatte, musste er sich Sadie geschnappt und sie mitgenommen haben.
Ich nickte zufrieden und kehrte zu meinem Wagen zurück. Die Zimmertür ließ ich offen stehen. Nachdem ich eingestiegen war, spielte ich mit dem Gedanken, noch einmal nach Sadie zu sehen. Dabei wusste ich, dass es ihr gut ging.
Mit einem Kopfschütteln startete ich den Mustang. Es gab keinen Grund, einen weiteren Blick auf meine hübsche Gefangene zu werfen. Stattdessen konzentrierte ich mich auf die kurze Heimfahrt. Nur knappe vier Meilen lagen zwischen dem Hotelkomplex und meinem Haus. Deswegen machte ich mir keine Sorgen, dass etwas Unvorhergesehenes passieren würde.
Ich verzog das Gesicht, als ich in die Einfahrt bog, und den Ford dort stehen sah. Heute schien gar nichts zu laufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Jetzt musste ich mich zusätzlich mit einem ungeplanten Gast herumschlagen.
Detective Jack Halverston lehnte mit verschränkten Armen am Kofferraum seines Wagens und grinste.
Ich parkte neben ihm. Dabei legte ich mir bereits eine Strategie zurecht. Jack und ich mochten uns nichts – was ehrlich gesagt stark untertrieben war.
»Palmer, wenn du mir zeigst, was du im Kofferraum hast, zeige ich dir, was ich in meinem habe.«
»Nicht interessiert. Bist du beruflich oder privat hier?«
Jack rollte mit den Augen. »Du bist immer noch sauer, oder? Ich dachte, was in New Orleans passiert, bleibt in New Orleans.«
»Las Vegas. Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas. Und nein, ich bin nicht sauer, auch wenn ich nicht leugnen kann, dass ich Suzie mochte.«
»Suzie?« Er runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach.
»Die Rothaarige, deren Kehle du hinter dem Diner aufgeschnitten hast, weil es dir nicht passte, dass sie mit mir und nicht dir geflirtet hat?«
»Ach ja. Das hatte aber gar nichts damit zu tun.«
»Natürlich nicht.« Ich rieb mir über die Stirn. »Was willst du, Jack?«
»Du bist wirklich ein Spielverderber.« Er stieß sich von seinem Wagen ab und öffnete die Kofferraumklappe. Darin lag ein gefesselter und geknebelter Mann, dem die Schweißperlen bereits auf der Stirn standen. Er starrte mich aus weit aufgerissenen Augen an und brüllte in seinen Knebel, da er offensichtlich glaubte, von mir Hilfe erwarten zu können.
»Das ist gerade wirklich ungünstig«, behauptete ich. Wie wurde ich die beiden Nervensägen bloß so schnell wie möglich wieder los?
»Stell dich nicht so an, Palmer. Willst du mehr Geld?«
In diesem Moment ging mir auf, dass ich mir selbst das Leben leichter machen konnte, wenn ich den Typen einfach aus dem Kofferraum holte, ihm die Kehle durchschnitt und ihn in den Ofen schob. Ich musste nur Jack loswerden, dann konnte ich das alles erledigen, bevor Sadies Betäubung nachließ.
»Wenn du es schon ansprichst …« Ich grinste den Detective an, damit er mir nicht auf die Schliche kam. Dabei verspürte ich das dringende Verlangen, seine strahlend weißen Sneaker mit Dreck zu besudeln.
Jack und ich kannten uns aus der Zeit bei der Army, in die wir aus völlig unterschiedlichen Gründen eingetreten waren. Ich hatte schlicht keine andere Perspektive im Leben gehabt und war fest entschlossen gewesen, mich hochzuarbeiten. Jack hingegen stammte aus einer reichen Familie und war ein verwöhntes Einzelkind. Er hatte gehofft, seine Blutlust befriedigen zu können.
Wir hatten sofort gewusst, was uns verband und dass wir gleich tickten, weshalb wir uns nicht ausstehen konnten. Jack liebte es zu sehr, die Rolle des perfekten Schwiegersohns zu spielen, während ich mir keine besondere Mühe gab, zu verbergen, dass ich anders als der normale Durchschnittsmensch war.
Es beunruhigte mich, dass Jack ohne zu zögern jemanden töten konnte, danach sein Jackett glatt strich und im Country Club seiner Eltern Champagner trank, während er sich Lobreden darauf anhörte, wie edelmütig es von ihm gewesen war, erst in der Army zu dienen und sich dann dem Polizeidienst zu widmen, obwohl seine Eltern so viel Geld hatten.
Ich wusste es besser. Jack tötete zu gern, um die Finger davon zu lassen, und wie konnte er den Verlauf der polizeilichen Ermittlungen besser beeinflussen, als wenn er sie selbst führte?
Murphy und ich machten uns regelmäßig darüber lustig, dass es niemandem bei der Mordkommission auffiel, über wie viele verdammte Leichen Jack Halverston zufällig im Laufe einer normalen Woche stolperte.
»Du weißt, dass wir dir nicht mehr Kohle geben können, Palmer, also stell dich nicht so an. Du spielst zu gern mit deinen Opfern, um abzulehnen. Charles hier hat seinen Boss bestohlen und seine Beute auf verschiedene Konten verteilt. Ich brauche die Kontonummern und Zugangsdaten.«
So viel zu meinem Plan, die Leiche einfach in den Verbrennungsofen zu stecken.
»Von mir aus. Du kennst den Weg«, sagte ich und holte meinen Haustürschlüssel aus der Hosentasche.
»Was? Jetzt muss ich ihn auch noch selbst tragen?«
»Hättest du dich angekündigt, würde hier die Liege bereitstehen. Selbst Schuld, Jack, du kennst die Regeln.«
Er verzog das Gesicht, bevor er sich vorbeugte und den Mann, den er als Charles bezeichnet hatte, aus dem Kofferraum hob. »Dass ich später die Backenzähne brauche, muss ich nicht dazu sagen, oder?«
»Nein.« Ich ging voraus und schaltete das Licht in meinem kleinen Behandlungszimmer an. Während Jack mein nächstes Opfer hereinschleppte, suchte ich das passende Narkosemittel aus. Charles würde erst eine Weile schlafen müssen, bevor ich mich mit ihm beschäftigte, denn es war mir wichtiger, mich um Sadie zu kümmern.
Ich fürchtete, sie könnte ihren Entschluss bereuen, sobald sie aufwachte. Ihr traute ich zu, dass sie einen Fluchtversuch unternahm.
Jack sah zu, wie ich Charles die Spritze verpasste, und nickte dann. »Sehr gut. Dann bin ich wieder weg.«
Am liebsten hätte ich tief durchgeatmet. Mir war klar, dass Jack zu egoistisch war, um wirklich einen Blick in meinem Kofferraum zu werfen. Ihn interessierten nur Dinge, die ihn direkt betrafen. Trotzdem behielt ich meine stoische Miene bei, damit er keinen Verdacht schöpfte.
Sadie war nämlich genau sein Typ. Jack hatte eine Vorliebe für zerbrechlich wirkende Blondinen, für die er den Retter spielen konnte, bevor er sein wahres Gesicht und Wesen enthüllte. Die wenigsten Frauen fanden Psychopathen mit sadistischen Tendenzen anziehend genug, um auf Dauer bei ihnen zu bleiben – und Jack wurde nicht gern verlassen.
Ich hatte eine Theorie, wie viele Leichen er wohl im Laufe der Jahre auf dem riesigen Grundstück seiner Eltern vergraben hatte, doch ich war klug genug, sie für mich zu behalten.
Es war vermutlich mein Glück, dass Jacks Handy piepte und er damit beschäftigt war, als ich ihn zur Tür brachte.
»Denk dran«, sagte er, während er an meinem Wagen vorbeiging, ohne in meine Richtung zu sehen. Sadie war sicher vor ihm. »Sobald du die Informationen hast, ruf mich an.«
»Wird gemacht.«
Er stieg in seinen Wagen. Ich schloss die Haustür und wartete, bis er verschwunden war, bevor ich sie wieder öffnete. Endlich konnte ich Sadie aus ihrem Gefängnis befreien.
Vorfreude stieg in mir auf. Es war Zeit, mich mit meinem neuen Spielzeug zu beschäftigen, von dem niemand wusste.

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