All those ugly lies – Teil 6

Palmer

Ich war zu früh dran. Doch das war Absicht, damit ich die Umgebung überprüfen konnte. Die Summe Geld, die dieser merkwürdige Typ mit dem französischen Akzent geboten hatte, war zu gut, um wahr zu sein. Deshalb wollte ich sichergehen, dass es keine Falle war.
Ich suchte lange und gründlich, konnte aber nichts entdecken – keine versteckte Kameras, keine Abhörvorrichtungen. Wie es aussah, hatte der Kerl die Wahrheit gesagt und wollte nur seine unbequeme Verlobte loswerden.
Die Sonne stand bereits tief, als ich hörte, wie ein weiterer Wagen sich näherte. Ich stieg aus und lehnte mich an den Mustang, um die Situation besser im Blick zu haben. Mir war das Prozedere sehr vertraut. Auf keinen Fall würde ich explizit aussprechen, worum es ging, bevor mein Geschäftspartner es nicht tat. Zwar konnte ich mir nicht vorstellen, dass Mister Fournier ein Cop war, doch Vorsicht hatte noch nie geschadet.
Mein Instinkt war richtig gewesen und ich verfluchte mich dafür, ihm nichtvertraut zu haben.
Mathis Fournier hatte mich angelogen, denn in meinen Augen sah die Frau auf dem Beifahrersitz recht lebendig aus. Es sei denn, er hatte sich zufällig schon die nächste Geliebte gesucht, die genau wie seine tote, im Kofferraum verstaute Verlobte aussah.
Irgendwie wagte ich das zu bezweifeln.
Während Fournier den Wagen neben meinem parkte, musterte sie mich und ein beunruhigter Ausdruck glitt über ihr Gesicht
Sie war clever – das ahnte ich sofort. Genau wie ich wusste, dass es meine Arbeit erschweren würde. Verdammt. Ich hasste solche Komplikationen.
Endlich wandte die Frau den Blick ab und fragte Fournier etwas, er gab ihr keine Antwort. Stattdessen stieg er aus und schenkte mir sein wieselartiges Lächeln. Er wirkte jederzeit, als wäre er bereit, das Messer bis zum Anschlag in den Rücken seines Geschäftspartners zu rammen. Ich traute ihm keinen halben Meter über den Weg und fragte mich ernsthaft, was seine Verlobte an ihm fand. War es vielleicht der französische Akzent? Mochten Frauen so etwas?
Er hatte ihr keine andere Wahl gelassen, als ebenfalls auszusteigen. Dann stand sie neben ihm und Fournier nickte in ihre Richtung. »Das ist Sadie.«
Hätten wir uns unter anderen Voraussetzungen an einem anderen Ort getroffen, hätte ich wahrscheinlich zur Kenntnis genommen, dass sie sehr attraktiv war. Außerdem lag in ihren grünen Augen eine Tiefe, die ich nur zu gern weiter erforscht hätte.
Stattdessen gestattete ich mir einen kurzen Moment, um die Kurven ihres Körpers und den leichten Hauch von Angst auf ihrem Gesicht zu genießen, bevor ich mich an Fournier wandte. »Zu dem Schluss bin ich auch schon gekommen. Aber warum zum Teufel lebt sie noch? Wir haben einen Deal, der besagt, dass sie längst tot sein sollte.«
Ja, ich hätte es dezenter formulieren können. Allerdings wollte ich die Reaktionen der beiden testen.
Fournier bekam hektische rote Flecken im Gesicht, die mir verrieten, dass er Probleme damit hatte, wenn er glaubte, jemand würde seine nicht vorhandene Autorität untergraben.
Sadie hingegen reagierte viel interessanter. Ich erwartete, dass sie sich zu ihrem Verlobten drehen und mit hysterischer Stimme verlangen würde, zu erfahren, um was es ging.
Stattdessen drückte sie den Rücken durch und nahm die Schultern nach hinten, als wäre sie nicht unbedingt überrascht. Sie ballte die Fäuste. Leider sagte sie nichts, obwohl ich darauf brannte, zu erfahren, wie ihre Stimme klang.
Der Weinhändler machten einen Schritt in meine Richtung, dabei fuchtelte er mit dem Zeigefinger durch die Luft. »Ich bezahle dich dafür, dass du machst, was ich sage. Bei der Summe, die ich bereitstelle, wird ein wenig Service ja wohl inklusive sein.«
»Bedaure«, sagte ich und verschränkte die Arme. »Ich bin kein Fünf-Sterne-Hotel.«
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass Sadie den Rückzug antrat. Sie war bereits fast wieder am Auto und plante offensichtlich, ihren Verlobten hier mit mir stehenzulassen. Ich unterdrückte ein Lächeln, um Fournier nicht darauf hinzuweisen.
Er bemerkte es selbst. In zwei Schritten war er bei ihr und packte ihren Oberarm. »Hiergeblieben, Baby.« Er spuckte das letzte Wort aus, sodass der Kosename wie eine Beleidigung klang. Ein paar Sekunden starrte er nach oben in den Himmel, bevor er theatralisch seufzte. »Jetzt ist es auch egal, nehme ich an. Ja, unser Deal war, dass ich sie direkt als Leiche herbringe. Doch die dumme Schlampe hier hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie mich vorgestern abserviert hat. Statt sie mit zu mir nehmen zu können und wie geplant umzubringen, musste ich gestern den ganzen Tag auf Knien rutschen, damit sie wenigstens heute mitkommt. Daher die Planänderung.«
Sadie schien wurde bleich. Zu meiner Überraschung fing sie sich erstaunlich schnell. Sie fuhr herum und gab Mathis eine Ohrfeige. Das Klatschen hallte durch die Luft. Sein Kopf flog zur Seite und auf der Wange zeigte sich ein großer Handabdruck.
Er packte ihr Handgelenk. Sadie wimmerte, als er sie zu sich riss und die Finger in ihren Haaren vergrub. Sein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Fratze. »Außerdem dachte ich, wir könnten uns noch ein bisschen mit ihr vergnügen. Der Sex hat mich immer zu Tode gelangweilt, aber ich kann nicht leugnen, wie sehr mich die Vorstellung antörnt, ihr ein paar ordentliche Schmerzen zuzufügen.«
»Lass mich los«, keuchte sie und wollte sich befreien.
Fournier ließ das nicht zu. Stattdessen wurde seine Miene noch bösartiger. Er hob den Blick und schaute mich an. »Wie sieht’s aus? Interessiert?«
»Klar. Aber sollten wir nicht erst einmal reingehen?«
Sadies Augen wurden so groß, dass ich mich für einen Moment darin verlor. In Wahrheit wollte ich überhaupt nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Doch egal, wie es ausgehen würde, es war in jedem Fall besser, hinter verschlossenen Türen zu sein als draußen.
Obwohl sie ihr Bestes gab und die Füße in den Boden stemmte, hatte Sadie keine Chance gegen Fournier. Er schleppte sie mit sich und ich half ihm auch noch, indem ich die Tür zum Hotelzimmer öffnete.
Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass Sadie zu schreien begann oder hysterisch wurde. Sie blieb geradezu beunruhigend still. Flüchtig fragte ich mich, was man tun musste, um sie zum Weinen zu bringen. Dabei erwischte ich meinen Schwanz, wie er sich regte.
Absolut unpassender Zeitpunkt, Buddy, dachte ich.
Die Zimmertür fiel ins Schloss und Fournier versetzte Sadie einen Stoß. Der Absatz ihres hübschen schwarzen High Heel verfing sich im Teppich. Sie fiel hin und krabbelte dann auf Händen und Füßen vor ihrem Verlobten weg, bis sie mit dem Rücken an die Wand stieß. Sie schob sich daran hoch, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Als er einen Schritt auf sie zumachte, verspürte ich das Verlangen, mich einzumischen, obwohl es sonst nicht meine Art war.
»Die Sache ist, dass ich eigentlich nicht gern teile«, erklärte ich vollkommen neutral.
Fournier runzelte die Stirn. Er riss seine Aufmerksamkeit von Sadie los und sah mich an. »Du bist ein Sadist, richtig? Das haben mir zumindest die Leute erzählt, die mir den Kontakt zu dir vermittelt haben.«
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust. »Es wurde mir zumindest schon vorgeworfen.«
Sein Grinsen ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen – und das war wirklich nicht leicht zu erreichen.
»Ich lasse dir gern den Vortritt und sehe zu«, erklärte er. Dabei machte er eine großzügige Handbewegung und deutete auf Sadie. »Nach dir.«
Sadies Blick flog zu mir. Sie presste sich noch immer gegen die Wand. Es verwirrte mich jedoch, keine Spur von Angst in ihrem Gesicht zu sehen. Sie schien eher wütend zu sein – wütend und verwirrt traf es wohl am besten.
Ich studierte sie und hatte in genau dem Moment das merkwürdige Gefühl, dass sie mich durchschaute. Sie starrte mich an, als würde sie mein Innerstes sehen und jeden noch so geheimen und abartigen Gedanken lesen können. Ihre grünen Augen schienen zu sagen: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Dein wirkliches Ich.
»Worauf wartest du?« Fourniers Stimme störte den intimen Moment.
Ich musste improvisieren. Zwar hatte ich mich nicht einmischen wollen, aber Sadie faszinierte mich und bis ich einen Plan hatte, was ich tun wollte, musste ich beide beschäftigt halten. Ich machte einen Schritt in ihre Richtung. »Was soll ich tun?«
Fournier gab ein verächtliches Geräusch von sich. »Das ist mir egal. Hauptsache du tust ihr weh.«
Was für eine hilfreiche Aussage. Ich könnte ihr jetzt auch einfach einen Finger abschneiden. Obwohl es ihr immense Schmerzen zufügen würde, hatte ich so eine Theorie, dass es nicht das war, was Fournier sich vorstellte.
Sadie wollte nach links ausweichen, als ich zu ihr kam. Ich legte die Hand neben ihr an die Wand, woraufhin sie nach rechts flüchtete. Glücklicherweise hatte ich zwei Arme. Es war nicht schwer, sie mit meinem Körper gefangenzuhalten.
Es faszinierte mich ungemein, dass sie noch immer nicht protestierte, herumschrie oder sonst etwas tat, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen.
Um ein Haar hätte ich sie gefragt: Verrate mir, was ich tun muss, um dich zum Betteln zu bringen, Sadie?
Aber ich schwieg. Denn ich hatte soeben beschlossen, dass ich es von allein herausfinden wollte. Die Frage war nur, wie ich es anstellen sollte.
Tapfer hielt sie meinem Blick stand und zuckte nur minimal, als ich ihre Arme packte. Ich führte sie über ihrem Kopf zusammen, damit ich sie mit einer Hand gegen die Wand pressen konnte, und umfasste der anderen Hand ihr Kinn.
Sie öffnete den Mund. Die rosafarbene Zungenspitze erschien, um ihre Lippen zu befeuchten. Hoffentlich war ihr klar, dass es wie eine Einladung wirkte.
Noch immer tat sie nichts, um mich zu hindern. Seit ich ihre Hände festhielt, hatte sie nicht einmal versucht, freizukommen. Sadie kämpfte nicht gegen mich, stattdessen folgte sie meinem Blick zu ihren Lippen, und schien genau zu wissen, was ich dachte.
Um sie nicht noch länger warten zu lassen, beugte ich mich vor und küsste sie.

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