Merry Christmas – Teil 1

Holden

»Wie lange willst du noch finster aus dem Fenster starren?«, fragte Logan hinter mir. »Die Firma wird drei Tage ohne dich überleben. Es wird dringend Zeit, dass du dich entspannst.«
Tyler tauchte neben mir auf und reichte mir ein Glas Bourbon. »Logan hat recht. Morgen ist Weihnachten. Es gibt nichts mehr zu tun.«
Mit einem Brummen nahm ich den Drink entgegen und sah den Schneeflocken zu, die vor dem Fenster tanzten. Ich konnte nicht leugnen, dass ich mich beim ersten Schneefall gefreut hatte. Doch seitdem waren ein paar Stunden vergangen und nun schien es gar nicht mehr aufzuhören. Der Himmel war dunkelgrau und heftiger Wind wirbelte die Flocken durch die Luft.
Wir hatten eine kleine Dinnerparty geplant, um das Geschäftsjahr mit unserem Vorstand ausklingen zu lassen. Gemeinsam mit Tyler und Logan leitete ich das führende Unternehmen für erneuerbare Energien des Landes. Vor ein paar Jahren waren wir für unsere Ambitionen belächelt worden, seit allerdings das Bewusstsein für den Klimawandel stieg und die Menschen einsahen, dass wir auf dem besten Weg waren, den Planeten zu ruinieren, beneidete uns mancher Konkurrent für den Mut, den wir bewiesen hatten.
Aber meine Geschäftspartner und besten Freunden hatten recht. Es gab für dieses Jahr nicht mehr viel zu tun. Eigentlich konnte ich mich zurücklehnen und die Früchte der harten Arbeit genießen. Ich war schlecht darin geworden, zur Abwechslung mal nichts zu tun.
Der Alkohol brannte in meiner Kehle und ich atmete tief durch.
»Watson entschuldigt sich und seine Frau. Der Schnee liegt bei ihnen wohl bereits so hoch, dass er es leichtsinnig findet, jetzt noch aufzubrechen«, las Tyler die Textnachricht vor, die er bekommen hatte. »Außerdem habe ich soeben das Netz verloren. Das muss der angekündigte Schneesturm sein. Wie gut, dass du noch einen Festnetzanschluss hast, denn die Handys können wir vergessen. Ich habe gerade nicht einmal WiFi.«
»Damit bleiben nur wir drei.« Logan klang belustigt. Er war von Anfang an gegen die Party gewesen und hatte den Abend lieber im kleinen Kreis verbringen wollen.
Ich zuckte mit den Achseln. »Wir drei und die Kellnerin, die ich beim Catering-Service angefordert habe. Vor ein paar Minuten habe ich die Hintertür gehört, das muss sie gewesen sein.«
Tyler tauchte neben mir auf, legte die Hand auf meine Schulter und drückte sie leicht. »Wirst du es denn überleben, mal ein Abendessen lang nicht über die Arbeit reden zu können?«
Logan warf ein: »Wir hätten uns lieber eine nette Dame als Gesellschaft bestellen sollen statt der Kellnerin. Das Essen kann ich auch servieren. Es ist viel zu lange her, dass wir uns ein solches Vergnügen gegönnt haben.«
»Hast du vergessen, was beim letzten Mal passiert ist?«, fragte ich über die Schulter. Leider gelang es mir nicht ganz, den bitteren Ton in meiner Stimme zu verbergen.
»Nein«, gab er scharf zurück. Ich hörte, wie er aufstand, und das Klirren, als er neue Eiswürfel in sein Glas warf, bevor er sich einen neuen Drink einschenkte. »Aber wir können ihr nicht ewig hinterher trauern. Sie hat ihre Wahl getroffen. Warum sollten wir nicht weiterziehen?«
Ich drehte mich um und musterte Tyler, weil ich wissen wollte, ob er Logans Meinung teilte. Er schwieg und hatte sein bestes Pokerface aufgesetzt. Es war unmöglich, zu ergründen, was er wohl dachte.
»Vielleicht sollten wir das«, gestand ich nach einer Weile. »Es macht mir nur immer noch zu schaffen, dass sie mitten in der Nacht einfach verschwunden ist.«
Tyler lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme. »Wir haben sie verschreckt. Wir wollten einfach zu schnell viel zu viel. Welche Frau wäre nicht damit überfordert, nicht einen Mann sondern gleich drei zu bekommen?«
Logan lachte bitter. »Wenn das nicht nach uns klingt, dann weiß ich auch nicht.«
Müde stellte ich mein Glas auf den Tisch, bisher hatte ich es kaum angerührt. »Vielleicht ist es Zeit, eine neue Frau zu finden.«
»Ich möchte klar stellen, dass ich von einem unverbindlichen Fick spreche und nicht von der Frau fürs Leben. Etwas Spaß würde uns allen gut tun. Es ist Monate her und keiner von uns hat auch nur einen Finger gerührt, um ein neues Spielzeug zu suchen.«
Schweigen legte sich über den Raum.
Wir hingen alle unseren Gedanken nach, als die Tür aufging und die Kellnerin hereinkam. Ich konnte nicht sagen, ob sie es bemerkte, aber mit ihrem Erscheinen veränderte sich die Atmosphäre im Raum innerhalb von Sekunden.
Da ich Tyler und Logan lange genug kannte, brauchte ich nicht in ihre Gesichter zu sehen, um zu wissen, was in ihren Köpfen vor sich ging.
Sie war genau unser Typ Frau – besser als jede lebendig gewordene Fantasie.
Dabei konnte ich mich erinnern, der Dame, mit der ich am Telefon gesprochen hatte, die Anweisung gegeben zu haben, uns den Typ »graue Maus« und nicht »sexy Vamp« zu schicken.
Die rothaarige Schönheit, die mit einer Flasche Wein in der Hand hereingekommen war, fiel definitiv in die zweite Kategorie. Es half nicht gerade, dass die enge Kellnerinnenuniform jede Kurve an ihrem verlockenden Körper betonte und viel zu viel der cremigen Haut enthüllte.
Die Luft im Esszimmer war plötzlich zum Schneiden dick und ich konnte an nichts anderes mehr denken, als dass wir vollkommen allein mit ihr waren, weil alle Gäste abgesagt hatte.
Mein Blick wanderte zum Fenster. Es schneite so heftig – die Lady würde nicht einmal fliehen können. Mein Schwanz regte sich bei dem Gedanken. Ich fühlte mich wie ein unreifer Schuljunge, der seine Libido nicht unter Kontrolle hatte.
Offenbar lag sehr viel Wahrheit in Logans Worten. Wir hatten zu viel gearbeitet und zu wenig Spaß gehabt. Die Quittung bekamen wir jetzt präsentiert: Die Anwesenheit einer einzelnen Frau reichte aus, um mich völlig aus dem Konzept zu bringen.
Ich verschränkte die Arme, um meine Fassung zurückzugewinnen. »Wo ist Ihre Kollegin? Also die Dame, die ich angefordert habe?«
Bei meinem brüsken Tonfall stieg das Blut in ihre Wangen und sie verlagerte nervös ihr Gewicht auf den hinteren Fuß. Die High Heels mit den hohen Absätzen akzentuierten die langen, schlanken Beine.
Beine, die sich perfekt dazu eigneten, sich um meine Hüften zu schlingen, während ich sie hart vögelte.
»Elena ist krank und hat mich gebeten, zu übernehmen.«
Großer Gott. Ihre Stimme stellte Dinge mit meiner Fantasie an, über die ich besser nicht zu lange nachdenken sollte. Leicht rau und mit dem Hauch eines Zitterns darin. Die neue Kellnerin gab die perfekte Beute ab.
»Ich entschuldige mich für die mangelnden Manieren meines Freundes. Wie heißt du?«, fragte Tyler.
Ihre langen Wimpern flatterten, als sie die Lider senkte und von mir zu ihm sah. Ihr Gesicht glühte und die Röte setzte sich bis in den tiefen Ausschnitt der weißen Bluse fort. Der Bleistiftrock schmiegte sich um ihre Hüften. Schon wieder nahmen meine Gedanken die falsche Abzweigung, sodass ich beinahe ihre Antwort verpasst hätte.
»Alice.«
»Hallo Alice«, sagte Logan und zeigte ihr sein bestes Lächeln. Schüchtern erwiderte sie es.
»Das sind Tyler und Holden, ich bin Logan.« Er war von uns schon immer der größte Frauenmagnet gewesen. Sie liebten seinen lässigen Charme und das blonde Sunnyboy-Aussehen, das elegant über seine dunklen Begierden hinwegtäuschte. Oder vielleicht ahnten sie auch, wie verboten seine Wünsche waren, und umschwirrten ihn deshalb wie die Motten das Licht.
Was es auch war – Alice bildete keine Ausnahme. Sie drückte ihren Rücken durch, hob den Kopf und entspannte sich sichtlich. »Ich wollte keinesfalls stören. Elena sagte nichts über den Wein. Ich wollte fragen, ob dieser hier zur Vorspeise in Ordnung ist.«
Logan nickte. »Er ist perfekt.«
Tyler und ich ahnten, dass er keineswegs über den Wein sprach.
»Gut. Dann würde ich gleich servieren. Kommen keine weiteren Gäste? Ich dachte, es sollten zehn Personen sein.«
Mein bester Freund schüttelte den Kopf. »Das Wetter hat dafür gesorgt, dass wir hier völlig allein sind, Alice. Sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten.« Logans Lächeln wurde teuflisch.
Gespannt beobachtete ich, wie sie erschauerte. Noch einmal ließ sie ihren Blick über uns schweifen, als würde sie versuchen, abzuschätzen, ob von uns Gefahr ausging.
Schließlich ließ sie die Flasche sinken und zuckte mit den Schultern. »Hauptsache ich kann mir später ein Taxi rufen, um nach Hause zu fahren.«
Sie drehte sich auf dem Absatz um und stöckelte zur Tür. Ihre Hüften schwangen von rechts nach links, der hohe Schlitz auf der Rückseite enthüllte noch mehr ihrer hübschen Schenkel. Die langen roten Haare fielen bis auf die Mitte ihres Rückens. Ich konnte die seidigen Strähnen bereits unter meinen Fingern spüren. Mit der Hand würde ich ihren Kopf dirigieren, damit sie meinen Schwanz lutschte, während einer meiner Freunde sie von hinten fickte.
Die Vorstellung gefiel mir außerordentlich gut und sorgte für ein Zucken in meiner Latte, die bereits von innen gegen meine Hose drückte.
Nein, dachte ich zufrieden. Alice würde das Haus heute nicht mehr verlassen. Zumindest nicht, wenn es nach mir und meinen Freunden ging.

7 Gedanken zu “Merry Christmas – Teil 1

  1. Liebe Mia, ich hab kein Passwort und kann auch keine über WordPress anlegen oder registrieren.. Schade weil Deine Geschichten lese ich sehr gerne. LG Kerstin

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s